Positionspapier der BVPG zur Weiterentwicklung von Prävention und Gesundheitsförderung „Empfehlungen der BVPG zur Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung“

Eine größere Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung kann nach Einschätzung der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) entscheidend zu einer verbesserten Lebensqualität der Bevölkerung in Deutschland beitragen, allerdings nur, wenn das Handlungsfeld fachlich, politisch und strukturell weiterentwickelt wird. 

Gemeinsam mit ihren 136 Mitgliedsorganisationen hat die BVPG in einem partizipativen Prozess Positionen für die zukünftige Ausrichtung von Prävention und Gesundheitsförderung erarbeitet und auf ihrer Mitgliederversammlung am 22. Mai 2023 verabschiedet. Dr. Beate Grossmann, Geschäftsführerin der BVPG, erläutert das Dokument, das den politisch Verantwortlichen Empfehlungen zur zukünftigen Gestaltung von Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland geben soll.

Die grundsätzliche Forderung nach Stärkung und Veranke­rung von Prävention und Gesundheitsförderung als eines ressortübergreifenden und vor allem die Verhältnisprävention berücksichtigenden Handlungsprinzips ist zentrales und zugleich verbindendes Element der folgenden fünf Empfehlungen:

Das Präventionsgesetz in eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik einbinden

Prävention und Gesundheitsförderung als Querschnittsaufgabe weiterentwickeln und ausbauen

Kommunale Gesundheitsförderung weiterentwickeln

Digitalen Fortschritt und wertebasierte Orientierung in Einklang bringen

Ziele, Pläne, Strategien: Bestehendes sichten und Mehrfachentwicklungen vermeiden

1. Das Präventionsgesetz in eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik einbinden

Die bisherige Umsetzungspraxis des am 25. Juli 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetzes zeigt, dass durch die föderale Struktur Deutschlands die gesetzgeberischen (also verpflichtenden und ggf. sankti­onsbewehrten) Möglichkeiten des Bundes auf die (vergleichsweise engen) Aufgabenbereiche der Sozialversi­cherungsträger und insbesondere die Erbringung vorgegebener finanzieller Leistungen durch die gesetzliche Krankenversicherung und die soziale Pflegeversicherung beschränkt sind.

Umso wichtiger ist da­her der Health-in-and-for-All-Policies-Ansatz als der zentrale Ansatz für eine zukunftsfähige Politik. Darum wäre es sinnvoll, zukünftig alle neuen Geset­zesvorha­ben auf Bundes- und Landesebene auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen hin zu analysieren. Da­rüber hinaus gilt es, neue Wege der Zusammenarbeit der Ministerien zu schaffen, um die sektor- und ressort­übergreifende Zusammenarbeit dauerhaft zu ermöglichen.

2. Prävention und Gesundheitsförderung als Querschnittsaufgabe weiterentwickeln und ausbauen

Prävention und Gesundheitsförderung sind keine weitere „Säule“ des Gesundheitswesens, sondern eine basale Voraussetzung für ein resilientes und damit zukunftsfähiges Gemeinwesen. Deshalb, so die dringende Empfehlung, darf keinesfalls am Budget für Prävention und Gesundheitsförderung gespart werden! Auch wenn sich – aus ganz unterschiedlichen Gründen – in zunehmendem Maße Engpässe bei der Finanzierung der unterschiedlichen Sozialversicherungssysteme auftun und die öffentlichen Kassen leer sind: Effekt- und zielorientierte Ausgaben für die Prävention und Ge­sundheitsförderung sind Investitionen, die helfen, menschliches Leid durch Krankheiten, Invalidität oder Pfle­gebedürftigkeit zu vermindern und langfristig die entsprechenden Ausgaben in diesen Bereichen zu senken. Darüber hinaus sind auch für weitere gesellschaftspolitische Bereiche – bei mittel- und längerfristiger Be­trachtung – sekundäre Einsparungen zu erwarten.

Ferner kann zweifellos menschliche Gesundheit nicht mehr entkoppelt von planetarer Gesundheit gesehen werden. Dies wird gegenwärtig durch die Klimakrise deutlich. Es gilt, die vielfältigen Einflüsse des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit in den Blick zu nehmen und gemeinsam zu handeln. Da die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels und die individuellen Ressourcen zu deren Milderung ungleich in der Bevölkerung verteilt sind, müssen neben allgemeinen Maßnahmen insbesondere Maßnahmen zur Förderung und Verbesserung ge­sundheitlicher Chancengleichheit entwickelt und zur sozialen Inklusion in den Lebenswelten des Alltags um­gesetzt werden.

Ein weiteres Ziel muss dabei sein, die individuelle wie auch die organisationale Sicherheits- und Gesundheits­kompetenz zu stärken, damit insbesondere strukturell benachteiligte Personengruppen in die Lage versetzt werden, selbst und/oder unterstützt durch das Bildungs-, Sozial- bzw. Gesundheitssystem u. a. relevante Ge­sundheitsinformationen zu finden, zu verarbeiten und zu verstehen sowie zu angemessenen gesundheitsbe­zogenen Entscheidungen zu kommen.

3. Kommunale Gesundheitsförderung weiterentwickeln

Um diese Empfehlung zu realisieren, bedarf es tragfähiger Rahmenbedingungen: Prävention und Gesundheitsförderung sollten zu pflichtigen Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung und als Pflichtaufgaben in den Gesundheitsdienstgesetzen der Länder für den Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) verankert werden – und auch die Finanzierung von zielgruppenbezogenen Gesundheitsför­derungsmaßnahmen vor Ort muss dauerhaft gesichert sein. Strukturell betrachtet, liegt die Verantwortung dafür bei den Kommunen. Im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung müssen Kommunen dabei aber unterstützt werden.

Mit dem Pakt für den ÖGD hat der Bund dafür bereits den Grundstein gelegt. Darüber hinaus sollte geprüft wer­den, ob nicht auch auf das Handlungsfeld „Prävention und Gesundheitsförderung“ übertragen werden könnte, was in anderen Bereichen (Straßenbau, Hochschulbau, digitale Aufrüstung von Schulen etc.) in Sachen „Trans­ferleistungen des Bundes an die Länder und Kommunen“ bereits erprobt worden ist. So könnte der Bund Mittel für den KiTa-Ausbau, das Teilhabepaket oder gleichwertige Lebensverhältnisse zur Verfügung stellen.

Auch die gesetzlichen Krankenkassen sollen in der kommunalen Gesundheitsförderung unterstützend wirken, indem sie z. B. den Aufbau von Strukturen im Sinne einer Anschubfinanzierung finanziell fördern. Ein positives Ergebnis der bisherigen Umsetzungen der Regelungen des Präventionsgesetzes sind die Aktivitäten des GKV-Bündnisses für Gesundheit, die konsequent auf einen Abbau strukturell bedingter sozialer und gesundheitli­cher Ungleichheit hinwirken.

4. Digitalen Fortschritt und wertebasierte Orientierung in Einklang bringen

Autonomie, Empowerment, Partizipation und soziale Gerech­tigkeit – an diesen Werten orientiert sich Gesundheitsförderung. Gerade mit Blick darauf gilt es also zu prüfen, wie digitaler Fortschritt so gestaltet werden kann, dass dieser dem Menschen dient bzw. ausgeschlossen werden kann, dass er ihm schadet.

Digitale Angebote sind kein „Allheilmittel“. Es muss genau differenziert werden, in welchen Bereichen digitale Angebote tatsächlich Chancen bieten, z. B. weil sie einen niedrigschwelligen Zugang ermöglichen, aber auch, wo diese Angebote nicht greifen. Konkret ist daher neben der Qualität jeweils zu prüfen, für wen, in welcher Situation, mit welchem Ziel das Angebot ein­gesetzt wird. Daneben sollte auch immer die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, digitale, hybride und nicht-digitale Maßnahmen kombiniert – und nicht im Sinne eines Entweder-Oders – weiterzuentwickeln und anzubieten. Auch sollte die Barrierefreiheit stets berücksichtigt werden.

5. Ziele, Pläne, Strategien: Bestehendes sichten und Mehrfachentwicklungen vermeiden

Für die Gemeinschaftsaufgabe „Prävention und Gesundheitsförderung“ sind in Deutschland viele verschiedene Akteure zuständig. Das führt zu einer bunten und kaum noch überschaubaren Vielfalt von Aktivitäten im Handlungsfeld. Gefordert ist deshalb eine bessere Integration und Koordination der Pflichten und Aufgaben, aber auch der Finanzierungs- und Evaluierungsbedarfe auf Seiten der zahlreichen unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure und Aktivitä­ten, damit Konfliktpotentiale erkannt und Doppelentwicklungen ebenso wie Mehrfachfinanzierungen vermieden werden können.

Das Positionspapier kann hier heruntergeladen werden (PDF).

Lesen Sie dazu auch:

Dr. Beate Grossmann, Geschäftsführerin der BVPG, zum Positionspapier „Eckpunkte der zur Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) zur Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes (PrävG)“.  

Interview mit Dr. Rüdiger Krech, Director Health Promotion, Division of Universal Health Coverage and Healthier Populations, WHO, zum 75. Jubiläum der WHO: „Health For All – 75 years of improving public health“.

Mehr zu Prävention und Gesundheitsförderung erfahren Sie hier.

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Dr. Beate Grossmann | Seit 2016 Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG). Zuvor war sie dort als stellvertretende Geschäftsführerin, wissenschaftliche Referentin und Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Frau Dr. Grossmann ist Mitglied in nationalen Gremien, Autorin zahlreicher Veröffentlichungen und angefragt für vielfältige Beratungs-, Gutachtens-, Vortrags- und Moderationstätigkeiten.

Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: ÖGD„Viel Potenzial für den ÖGD als Träger der Gesundheitsförderung“

Der Beirat Pakt ÖGD (Beirat zur Beratung zukunftsfähiger Strukturen im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Umsetzung des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst) hat seine Empfehlungen zur Weiterentwicklung des ÖGD in drei Berichten veröffentlicht. Zu den Mitgliedern des Beirates gehört auch die BVPG. Dr. Johannes Nießen, Vorsitzender des Beirates Pakt ÖGD, erläutert im BVPG-Interview die geplante Neuausrichtung.

Die Gesundheitsförderung gehört gemäß dem von der Gesundheitsministerkonferenz verabschiedeten ÖGD-Leitbild zu den Kernaufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Auf kommunaler Ebene gibt es deutschlandweit rund 400 Gesundheitsämter, die prädestiniert sind, Gesundheitsförderung vor Ort zu leben. Wie kann man sich die Umsetzung in einem „modernen ÖGD“ vorstellen?

Von grundlegender Bedeutung bei der Förderung und dem Ausbau von Gesundheit ist die Erhöhung der gesundheitlichen Chancengleichheit. Hier muss eine Erreichbarkeit auf allen Ebenen und in allen sozialen Schichten stattfinden.

Die Nutzung von Kooperationen und Netzwerken, wie dem gesunden Städte-Netzwerk, kann dabei einen großen Beitrag leisten. Das gesunde Städte-Netzwerk ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Kommunen und besteht derzeit aus 92 Mitgliedern. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, Gesundheitsförderung im alltäglichen Umfeld der Menschen zu etablieren. Hierbei soll Gesundheitsförderung beispielsweise in Quartieren, Schulen, Kitas, Familien- und Alteneinrichtungen langfristig auf- und ausgebaut werden. Das Netzwerk versteht sich als kommunale Kommunikationsstelle auf Bundesebene für den Aufbau einer lebensweltlichen Gesundheitsförderung in Städten und Gemeinden.


Wo wurde kommunale Gesundheitsförderung bereits erfolgreich umgesetzt?

Als Beispiele für eine gelungene Umsetzung kommunaler Gesundheitsförderung vor Ort zählen die lokalen Stadtteil-Gesundheitszentren in Hamburg, das Präventionsnetz im Bezirk Berlin Mitte, die Gesundheitsgespräche in Köln sowie auch die Hitzeaktionspläne verschiedener Kommunen.

In Hamburg soll in Stadtteilen mit hohen Problemlagen mithilfe von sieben lokalen Gesundheitszentren die medizinische Versorgung und soziale Unterstützung verbessert werden. Die lokalen Gesundheitszentren bestehen mindestens aus einer haus- und/oder kinderärztlichen Praxis, einer modernen Form der „Gemeindeschwester“ und einer Sozialberatung. Darüber hinaus besteht eine verbindliche Kooperation mit Pflegediensten sowie gesundheitlichen und sozialen Angeboten.

Das Präventionsnetzwerk in Berlin-Mitte hat zum Ziel, ein flächendeckendes präventives Angebot über alle Lebensphasen und Lebenssituationen im Bezirk zu organisieren. In diesem Kontext sind Schwerpunktmaßnahmen beschlossen, die für das Erreichen der nationalen Gesundheitsziele von herausragender Bedeutung sind.

Im Rahmen der Kölner Gesundheitsgespräche können sich Kölnerinnen und Kölner über ein vielfältiges Spektrum an Gesundheitsthemen informieren. Neben entsprechenden Fachvorträgen gibt es die Möglichkeit zur Klärung offener Fragen, zur Diskussion sowie zum gemeinsamen Austausch.

Das Verbundprojekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ steht beispielhaft für die Hitzeaktionspläne verschiedener Kommunen und verfolgt das Ziel, die gesundheitlichen Risiken durch Hitzeperioden für Menschen im Alter zu minimieren und die Gesundheitskompetenz insbesondere bei alleinlebenden Menschen über 65 Jahren zu erhöhen.

Trotz dieser gelungenen Projekte und der Beobachtung, dass in großen städtischen Gesundheitsämtern die Gesundheitsförderung als Aufgabe etabliert werden konnte, wird der ÖGD in der Breite seinem Potenzial als Träger der Gesundheitsförderung im kommunalen Kontext noch nicht vollständig gerecht. Hier bestehen weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten.


Der moderne ÖGD soll bürgernah sein, eingebunden in kommunale Strukturen und gemeinwohlorientiert. Erreicht man mit dieser Ausrichtung Menschen mit erhöhtem Bedarf besser?

Durch bürgernahe Angebote wie zum Beispiel Gesundheitskioske, Gesundheitslotsen und Beratungsstellen erreicht man tendenziell alle Bürgerinnen und Bürger besser. Bei vulnerablen Gruppen zeigt sich jedoch generell eine geringere Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Durch niederschwellige Angebote sollte die Erreichbarkeit dieser Zielgruppe und Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen weiter gesteigert werden.


Durch seine vielfältigen Zugangsmöglichkeiten ist der ÖGD besonders geeignet, gesunde Städte und Kommunen entstehen zu lassen. Welche Potenziale werden bislang noch zu wenig genutzt?

Viele Projekte in der Prävention und Gesundheitsförderung sind leider zeitlich zu sehr begrenzt. Gerade in sozial problematischen Stadtvierteln und Regionen müssen diese längerfristig stabilisiert werden. Viele gesundheitsfördernde Ansätze benötigen eine dauerhafte Finanzierung oder müssen über einen längeren Zeitraum unterstützt werden. Mit Zwei-Jahres-Projekten ist es da oft nicht getan.


Welche Chancen ergeben sich durch die Arbeitsbeziehungen des ÖGD innerhalb der kommunalen Behörden für eine Umsetzung von „Health in All Policies“ – neben der Stärkung des ÖGD ein weiteres Schwerpunktthema der BVPG – auf lokaler Ebene? Inwieweit kann der ÖGD eine „Mittler-Rolle“ einnehmen und zur Verringerung der Versäulung beitragen?

Innerhalb des ÖGDs ergeben sich Chancen durch das Einbringen der Themen Gesundheit, Gesundheitsförderung und Prävention in den gesamtstädtischen Steuerungsprozess. Durch ressortübergreifende Bedarfsanalysen, Planungsprozesse und rechtskreisübergreifende Umsetzung von Maßnahmen, zum Beispiel in Kooperation mit dem Jugendamt, Amt für Soziales und Senioren, Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Amt für Umwelt und Verbraucherschutz, kann das Thema „Health in All Policies“ als ein weiteres bedeutsames Thema des ÖGD umgesetzt werden.

Die „Kommunale Gesundheitskonferenz“ des ÖGD bietet unter Beteiligung von Politik, Selbsthilfe sowie relevanten Entscheidungsträgern des Gesundheitswesens ein Plenum für den gemeinsamen Prozess der Erörterung und Weiterentwicklung der Prävention und Gesundheitsversorgung.


Welches Gesundheitsamt könnte deutschlandweit als Blaupause dienen und warum?

Aufgrund der Vielschichtigkeit des gesundheitlichen Bedarfs von Personen in unterschiedlichen Lebenslagen sowie der entsprechenden Methoden- und Maßnahmenvielfalt können im Allgemeinen die Gesundheitsämter großer Städte als Blaupause genannt werden.

Darüber hinaus können einzelne, innovative Projekte als Vorbild dienen, welche dort ansetzen, wo die Potenziale des ÖGD bislang zu wenig genutzt werden.

So zielt beispielsweise das langfristig angelegte Projekt „aufgeweckt“ des Gesundheitsamtes des Rhein-Kreises Neuss in Kooperation mit Krankenkassen sowie mit vielfältigen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern vor Ort auf die Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen in sozial benachteiligten Stadtteilen ab. Über die lange Projektlaufzeit konnten u.a. Präventionsketten ausgebaut sowie die Maßnahmen kontinuierlich auf Aktualität und Bedarf überprüft werden.


Der dritte Bericht des Beirates fordert eine Verbesserung der Forschungs- und Lehrstruktur und empfiehlt u.a. Kooperationen zwischen Gesundheitsämtern und universitären/außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Was erhoffen Sie sich von dieser wissenschaftlich fundierten Basis im Hinblick auf Ziele und Aufgaben des ÖGD?

Im Hinblick auf die Ziele und Aufgaben des ÖGDs erhoffe ich mir eine bessere Vernetzung von Forschung, Wissenschaft und Praxis. Im Bereich der Forschung sind die Erhebungen und Analysen zur gesundheitlichen Situation der Bevölkerung als Grundlagen der Bedarfsermittlung und Gesundheitsplanung, u.a. in Bezug auf Ressourcensteuerung und sozialkompensatorische Angebote relevant.

Im Bereich der Wissenschaft ist eine engere Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen und Akteuren der gesundheitlichen Versorgung und Politik notwendig. Hierbei ist es wichtig, Wissensbestände, Erfahrungsschätze und bewährte Strukturen eines sehr ausdifferenzierten ÖGDs aufzuzeigen und diese in der Praxis zu implementieren.


Multiprofessionell und interdisiziplinär soll der zukünftige ÖGD sein. Wer wird gemäß der Personalaufwuchskonzepte gesucht? Wie wird diese Ausrichtung auch die Aus- und Weiterbildung verändern?

Gemäß der Personalaufwuchskonzepte werden vornehmlich Hygienekontrolleure, Fachärztinnen und Fachärzte, wissenschaftliche Mitarbeitende aus dem Bereich Gesundheitswissenschaften und Public Health sowie Mitarbeitende im Bereich der Verwaltung gesucht. Eine stärkere Integration der genannten Berufsgruppen soll durch Inhalte des ÖGD in relevanten Ausbildungen und Studiengängen erfolgen.


Der Beirat hat 2021 seine Arbeit aufgenommen und ist für die Dauer von zwei Jahren vom Bundesminister für Gesundheit im Einvernehmen mit der Gesundheitsministerkonferenz berufen worden. Diese erste Arbeitsperiode läuft nun aus. Wie geht es weiter?

In der zweijährigen Mandatszeit hat der Beirat Pakt ÖGD drei Berichte zu folgenden Themen veröffentlicht:

  1. Empfehlungen zur Weiterentwicklung des ÖGD zur besseren Vorbereitung auf Pandemien und gesundheitliche Notlagen
  2. Empfehlungen für abgestimmte Kommunikationswege und -maßnahmen über Verwaltungsebenen hinweg in gesundheitlichen Krisen
  3. Wissenschaft und Forschung im und für einen zukunftsfähigen ÖGD

Die drei Berichte wurden dem Gesundheitsminister am 16.03.2023 überreicht. Nun beginnt die zweite Mandatszeit des Beirates Pakt ÖGD, die bis Ende 2026 dauert. Sie ist somit angelehnt an den Zeitraum, in dem der Bund mit dem Pakt für den ÖGD vier Milliarden Euro für Personal, Digitalisierung und moderne Strukturen zur Verfügung stellt.


Die Fragen stellte Ulrike Meyer-Funke, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG).

Lesen Sie dazu auch:

Interview mit BVPG-Präsidentin Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB: „Es muss einfacher werden, einen gesunden Alltag zu leben.“

Interview mit Prof.in Dr. Dagmar Starke, kommissarische Leiterin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf (AÖGW) und BVPG-Vorstandsmitglied: „In einem modernen ÖGD wird Gesundheitsförderung zum Coachingprozess“.

Interview mit Caroline Costongs, Direktorin von EuroHealthNet (EHN): „We need a systemic change to protect the wellbeing of people and planet.“

Die Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes gehört zu den BVPG-Schwerpunkten 2021-2023. Informationen zur 21. BVPG-Statuskonferenz „Gesundheit gemeinsam fördern – die Bedeutung des ÖGD für die kommunale Prävention und Gesundheitsförderung“ finden Sie hier.

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Dr. Johannes Nießen | Seit 2019 Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Köln. Zuvor Leiter des Gesundheitsamtes Bezirksamt Hamburg Altona, Mitarbeiter am Gesundheitsamt der Stadt Bonn. Vorsitzender des Beirates Pakt ÖGD (Beirat zur Beratung zukunftsfähiger Strukturen im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Umsetzung des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst) und Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD); Arzt für Allgemeinmedizin, öffentliches Gesundheitswesen und Sozialmedizin.

Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Digitalisierung„Settingbezogene Gesundheitsförderung und Prävention in der digitalen Transformation“

Dem Einfluss der Digitalisierung auf die settingbezogene Gesundheitsförderung und Prävention widmet sich der neue Sammelband, herausgegeben von Prof. Dr. Christoph Dockweiler, Anna Lea Stark (u.r.) und Joanna Albrecht (o.r.), Universität Siegen. Aus verschiedenen Perspektiven werden die Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Handlungsfeld betrachtet, u. a. aus politisch-gestaltender Sichtweise mit einem Beitrag der BVPG.

Die Digitalisierung hat Auswirklungen auf alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche, einschließlich der Gesundheitsförderung und Prävention. Orte und Einrichtungen (nachfolgend Settings), in denen wir uns aufhalten, werden immer digitaler und zunehmend spielt sich unser Alltag auch in digitalen oder virtuellen Umgebungen ab. Dies schafft neue Herausforderungen, aber auch Ansatzpunkte und Handlungsräume für die Gesundheitsförderung und Prävention. Um diese Veränderungen hinsichtlich ihrer Wirkungen auf Gesundheit zu verstehen und mitzugestalten, ist ein gemeinsames Verständnis des digitalen Wandels sowie des Begriffs digitalisierter Settings grundlegend.

In dem vom Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. geförderten Forschungsprojekt Lebensweltbezogene Gesundheitsförderung und Prävention im Zeitalter der Digitalisierung befassten wir uns von November 2019 bis Januar 2022 mit der Erarbeitung einer Definition digitalisierter Settings im Kontext der Gesundheitsförderung und Prävention. Um die zentralen Erkenntnisse des Forschungsprozesses zu kondensieren und diese zusammen mit einer Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren aus dem Handlungsfeld zu diskutieren, haben wir einen Sammelband zur settingbezogenen Gesundheitsförderung und Prävention in der digitalen Transformation auf den Weg gebracht, von dem wir uns wesentliche Impulse für den aktuellen Diskurs erhoffen.

Settings als Stellschrauben der Gesundheit

Umgebungen, in denen wir leben, lernen, arbeiten und unsere Freizeit verbringen und in denen Einfluss auf unsere Gesundheit genommen wird, werden im Sinne der Weltgesundheitsorganisation als Settings (teils auch Lebenswelten) bezeichnet. Hierzu gehören z. B. Schulen, Betriebe, Kommunen oder Gesundheitseinrichtungen. Für die Gesundheitsförderung und Prävention sind Settings von besonderer Bedeutung, da sie eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung des Gesundheitsverhaltens der Settingmitglieder und ihrer Gesundheitschancen spielen. Durch die Schaffung gesundheitsförderlicher Strukturen in Settings können die Gesundheit und das Wohlbefinden verbessert werden, sodass Settings relevante Orte der Gesundheitsförderung und Prävention darstellen.

Digitalisierung verändert Settings und wie wir unser Leben darin gestalten

Damit Settings auch im Zuge der Digitalisierung zu derartigen Möglichkeitsräumen für Gesundheit werden können, müssen zunächst die Veränderungen in Settings, insbesondere ihrer Strukturen, Kulturen, Strategien, Bereiche und Prozesse durch die Digitalisierung betrachtet werden. Das Setting Betrieb ist beispielsweise durch Telearbeit im Homeoffice sowie die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen zunehmend mit digitalen Technologien durchdrungen. Auch weitere Settings, wie Versorgungseinrichtungen (z. B. durch den Einsatz telemedizinischer Verfahren) sowie Bildungseinrichtungen (z. B. durch den Einsatz von E-Learning) unterliegen einem digitalen Wandel. In jedem dieser Settings entstehen neue Gesundheitschancen und -risiken und somit neue Ansatzpunkte, aber auch Herausforderungen für ihre gesundheitsfördernde Gestaltung.

Digitalisierung als Hebel der gesundheitsfördernden Gestaltung von Settings

Die Gesundheitsförderung und Prävention in Settings werden durch die Digitalisierung in zweierlei Hinsicht verändert. Zum einen werden neue gesundheitsfördernde und präventive Technologien in Settings eingesetzt, die stärker personalisierte Ansätze ermöglichen oder auf einen niedrigschwelligeren Zugang zu gesundheitsbezogenen Angeboten abzielen. So können z. B. mit Wearables gesammelte und mit Künstlicher Intelligenz analysierte Gesundheitsdaten für eine Individualisierung von Präventionskonzepten eingesetzt werden. Auch kann der gesamte Prozess (z. B. Problemanalyse, Maßnahmenplanung oder Evaluation) von Gesundheitsförderungsprojekten in Settings digital unterstützt werden.

Zum anderen bedarf es neuer Konzepte der Gesundheitsförderung und Prävention, wenn digitale Technologien in Settings Einzug erhalten und dadurch einen positiven oder negativen Einfluss auf die Gesundheit der Settingmitglieder nehmen. So können beispielsweise Gesundheitsrisiken durch den Einsatz digitaler Technologien in Settings mittels Technikfolgenabschätzungen berücksichtigt und adressiert werden. Beide Entwicklungen gehen mit der Veränderung von Settingstrukturen einher, da bestehende Prozesse und geltende Rahmenbedingungen im Setting durch den Einfluss der Digitalisierung verändert werden. Es bedarf einer Rückkopplung zwischen Digitalisierung und Gesundheit, wenn sich Settings transformieren. Dies kann im Rahmen einer gesundheitsförderlichen Gestaltung der digitalen Transformation geschehen.

Bleibende Fragen in Forschung und Praxis

Es wird deutlich, dass sich Settings und damit auch Möglichkeiten der Gesundheitsförderung in der digitalen Transformation verändern. Bisher bleibt jedoch unklar, wie genau sich Settings in ihren Strukturen, Kulturen, Strategien und Prozessen transformieren und welche gesundheitsbezogenen Herausforderungen damit einhergehen. Auch ist fraglich, ob neue digitale oder virtuelle Umgebungen wie z. B. Social Media-Plattformen als Settings definiert werden können. Es bedarf einer operationalisierbaren Definition, die über bestehende Definitionen von digitalen Settings hinausgeht, sowie eines Diskurses zwischen beteiligten Akteurinnen und Akteuren.

Mit unserem Sammelband stoßen wir den Diskurs an

Im Sammelband wird von Seiten der Wissenschaft, der Praxis und der Politik reflektiert und diskutiert, was die digitale Transformation von Settings und die Verfügbarkeit neuer digitaler Tools für die settingbezogene Gesundheitsförderung und Prävention bedeuten. Die Autorinnen und Autoren geben dabei Einblicke in unterschiedliche Settings, Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen. Als Einstieg in den Sammelband stellen wir ein neues Begriffsverständnis digitalisierter Settings im Kontext des Settingansatzes vor.

Der erste Teil des Sammelbandes vereint wissenschaftliche Perspektiven auf das Thema. Prof. Dr. Nadine Pieck diskutiert das vorgestellte Begriffsverständnis mit Blick auf die Digitalisierung als Lernfeld für Settings. Das digitale Betriebliche Gesundheitsmanagement wird von Prof. Dr. Gudrun Faller untersucht. Matthias Meyer adressiert Non-Profit-Organisationen als Settings und Gunnar Voß, Prof. Dr. Rahim Hajji und Ulrike Scorna präsentieren eine Studie zu E-Learning zur Minderung von Prüfungsangst in Hochschulen. Abschließend wird der Forschungsstand zu gesundheitlicher Chancengleichheit im Kontext digitaler Gesundheitsförderung/Prävention in Settings von Dr. Berit Brandes, Dr. Heide Busse, Dr. Stefanie M. Helmer und Dr. Saskia Muellmann dargelegt.

Der zweite Teil des Sammelbandes umfasst die Praxis-Perspektive. Dr. Susanne Giel, Ludwig Grillich, Lena Köhler und Dr. Elitsa Uzunova berichten, wie Digitalisierung die Arbeit als Evaluatorinnen und Evaluatoren in der Gesundheitsförderung verändert. Mit Blick auf Pflegereinrichtungen präsentieren Eva Obernauer und Simon Lang ihre Erfahrungen mit digitalen Angeboten im Projekt „Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt®“. Markus Möckel gibt einen Einblick in das Setting der E-Sport-Vereine. Für das Setting Eingliederungshilfe berichten Dr. Dirk Bruland, Kilian Krämer, Laura Herrera Bayo und Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck von dem Projekt „#ROOKIE“. Zuletzt wird das Projekt „Die Gesundheit Fernstudierender stärken“ zu digitalem Studentischem Gesundheitsmanagement von Prof. Dr. Christel Salewski, Jessica Kemper, Jun.-Prof. Dr. Philip Santangelo und Dr. Jennifer Apolinário-Hagen vorgestellt.

Im dritten Teil des Sammelbandes kommen politisch-gestaltende Akteurinnen und Akteure sowie Präventionsträger zu Wort. Dr. Beate Grossmann, Dr. Uwe Prümel-Philippsen und Inke Ruhe beleuchten, wie Digitalisierung aus Sicht der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung gelingen kann. Mariella Seel, Julia Anna Deipenbrock, Jelena Sörensen und Ludwig Grillich beschreiben die Entwicklung digitaler Gesundheitsförderungsangebote für den Verband der Privaten Krankenversicherung. Wie die Digitalisierung die Arbeit der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Mecklenburg-Vorpommern beeinflusst, wird von Friederike Keipke und Kristin Mielke geschildert. Der Sammelband schließt mit einem Beitrag von Dr. Anja Bestmann, Marion Kiem und Dr. Stefan Winter zur Digitalisierung in der Prävention der Deutschen Rentenversicherung.


Lesen Sie dazu auch:

Interview mit BVPG-Präsidentin Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB: „Es muss einfacher werden, einen gesunden Alltag zu leben.“

Interview mit Prof. Dr. Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS GmbH, und Keynote Speaker des Präventionsforums 2021: „Digitale Präventionsansätze partizipativ und bedarfsgerecht ausgestalten!“

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Der Sammelband „Settingbezogene Gesundheitsförderung und Prävention in der digitalen Transformation – transdisziplinäre Perspektiven“ wird von Prof. Dr. Christoph Dockweiler, Anna Lea Stark und Joanna Albrecht, Universität Siegen, herausgegeben. Er ist Teil der Sammelbandreihe „Gesundheitsforschung. Interdisziplinäre Perspektiven“ der Nomos Verlagsgesellschaft.

Prof. Dr. Christoph Dockweiler | Inhaber der Professur für Digital Public Health am Department für Digitale Gesundheitswissenschaften und Biomedizin an der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Siegen. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Analyse der Wirkung, Implementierung und Nutzung von Interventionen im Bereich von Digital Public Health mit Fokus auf Fragen der Nutzerorientierung und der Anwendung von Methoden der partizipativen Versorgungsforschung. Er hat Health Communication und Public Health an der Universität Bielefeld studiert und dort seine Promotion abgeschlossen.

Anna Lea Stark | Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Professur für Digital Public Health der Universität Siegen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind digitale Gesundheitsförderung und Prävention sowie Telerehabilitation. Sie hat Health Communication und Public Health an der Universität Bielefeld studiert.

Joanna Albrecht | Forschungsreferentin an der Professur für Digital Public Health der Universität Siegen und Doktorandin an der Gesundheitswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bielefeld. Ihre Forschungsschwerpunkte sind digitale Teilhabe sowie digitale Gesundheitsförderung und Prävention. Sie hat Health Communication und Public Health an der Universität Bielefeld studiert.

Die Professur für Digital Public Health ist am Department Digitale Gesundheitswissenschaften und Biomedizin an der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Siegen angesiedelt. Die Professur befasst sich mit der Entwicklung, Erprobung und Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Gesundheitsförderung, Prävention und pflegerischen sowie medizinischen Versorgung unter besonderer Berücksichtigung der Nutzerorientierung sowie Evidenzbasierung.

Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: 75 Jahre WHO„Health For All – 75 years of improving public health“

Am 7. April, dem Weltgesundheitstag, feiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit „Health For All – 75 years of improving public health“ ihr langjähriges Bestehen. Zum Jubiläum spricht Dr. Rüdiger Krech, Director Health Promotion, Division of Universal Health Coverage and Healthier Populations, WHO, über Meilensteine der letzten Jahrzehnte, Vorbilder aus anderen Ländern und die zukünftige Rolle von Prävention und Gesundheitsförderung.

Am Weltgesundheitstag blickt die WHO mit „Health For All – 75 years of improving public health“ zurück auf die Erfolge seit dem Gründungsjahr 1948. Was waren die Meilensteine der vergangenen Jahrzehnte?

Wir freuen uns besonders, dass laut einer aktuellen Gallup Umfrage die WHO die respektierteste Internationale Organisation ist und von den meisten Menschen auf der Welt geschätzt wird. In jedem Jahrzehnt gab es Meilensteine, bei denen die WHO mitgewirkt hat, wie beispielsweise: der Aufbau von Public Health-Infrastrukturen in den 50er Jahren; die Ausrottung der Pocken in den 60er, Anfang 70er Jahren; die Umsetzung der Konzepte für gesündere Lebensweisen in den 80er und 90er Jahren; zu sozialen Determinanten und Allgemeinem Zugang zu Gesundheitsleistungen in den 90er und frühen 2000er Jahren.

Aber die normative Arbeit, die oftmals nicht so im Fokus der Aufmerksamkeit steht, trägt besonders zur Gesundheit der Menschen bei: ob Nahrungsmittelsicherheit, Richtlinien zur Ernährung, Arbeitsschutzrichtlinien, Zulassung von Medikamenten in etwa 100 Ländern auf der Welt, Nachtflugverbote, Wasserqualität, Verkehrssicherheit, Emissionsschutzgesetze, Richtlinien für Krankenhaussicherheit, rechtlich bindende Konventionen zur Tabakkontrolle und zu Internationalen Gesundheitsvorschriften bei Ausbruch von Pandemien – all diese nationalen Richtlinien basieren meist auf der Analysearbeit der WHO und ihren Empfehlungen.

Unser Jubiläum sollte aber nicht nur eine Bestandsaufnahme des Erreichten sein – es soll uns auch in die Zukunft blicken lassen: Wie soll die WHO in den nächsten Jahrzehnten oder besser noch in den nächsten fünf Jahren aussehen? Wir leben in einem Jahrzehnt der Krisen, in einer Zeit, die von Unsicherheit und Wandel geprägt ist. Wie können wir helfen, diese Welt resilienter zu machen, um so mit entstehenden Krisen besser umgehen zu können? Die Notwendigkeit einer effizienten und koordinierenden globalen Institution ist so wichtig wie nie zuvor in der Geschichte der WHO!


Wir haben in Deutschland mit ungesundem Lebensstil und dessen Folgen zu kämpfen. Durch die Pandemie hat sich dieses Problem und die gesundheitliche Ungleichheit noch verschärft. An welchen Ländern müsste sich Deutschland orientieren, um Prävention und Gesundheitsförderung wirksamer werden zu lassen – für alle Bevölkerungsgruppen und in allen Lebenswelten?

Zunächst einmal besteht in Deutschland eine große Chancenungleichheit. Es gibt eine wachsende Zahl von Menschen, die sich sehr gesundheitsbewusst ernähren und verhalten.

Deutschland ist gleichzeitig erstaunlicherweise aber auch oftmals das Schlusslicht in Europa, wenn es um gesunde Lebensweisen geht. Das liegt zum einen an einer derzeit schwachen Infrastruktur im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention, die eine koordinierte Public Health-Arbeit in diesen Bereichen erschwert. Zum anderen liegt es an einem laxen Umgang mit rechtlichen und fiskalpolitischen Instrumenten, die Deutschland eigentlich viel besser nutzen könnte.

Der Anstieg an vermeidbaren chronischen Erkrankungen wird die Krise im Gesundheitssystem noch weiter verstärken. Dabei sind 65 Prozent aller Herzkreislauf- und Krebserkrankungen, Diabetes und Erkrankungen der Atemwege vermeidbar. Dazu: Die letzte Anhebung der Tabaksteuer in Deutschland liegt unterhalb des Inflationsniveaus und macht Rauchen im Endeffekt billiger, nicht teurer. Die Tabakkonzerne reiben sich die Hände.

Aufgrund eines extrem hohen pro Kopf Verbrauchs von Zucker, der viel zu billig und überall zu haben ist, wird es in den nächsten Jahren einen weiteren starken Anstieg von krankhaft fettleibigen Menschen in Deutschland geben. Es muss ein radikales Umdenken in Deutschland stattfinden, wenn das deutsche Gesundheitssystem nicht zerbrechen soll.

Andere Länder haben die Lobby der krankmachenden und todbringenden Industrie in der Tat besser im Griff. Von Australien, Neuseeland oder Mexiko kann man einiges lernen.


Was bedeutet das UN-Nachhaltigkeitsziel 3 (Sustainable Development Goal 3, kurz: SDG 3) „Good Health and Well Being“ für Industrienationen wie Deutschland? Welchen Beitrag können Prävention und Gesundheitsförderung zum Erreichen dieses Zieles leisten?

Das Ziel umfasst ja etliche Public Health-Bereiche – vom Recht auf reproduktive Gesundheit über allgemeinen Zugang zu Gesundheitsleistungen bis zu Verbesserungen im Bereich von Umwelt und Gesundheit. Aufgelistet werden aber auch konkrete Aktivitäten, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Deutschland ist hier bei vielen Aktivitäten gut aufgestellt. Aber es gibt dennoch dringenden Handlungsbedarf. So kann der Zugang zu Impfstoffen und Arzneimitteln nicht als „Charity“ verstanden werden, sondern muss auf dem Prinzip der Solidarität und auf Basis von epidemiologischen Daten erfolgen, wenn eine weitere Pandemie in diesem Jahrzehnt nicht weitaus schlimmere Folgen haben soll als die derzeitige.

Darüber hinaus wächst die Unsicherheit der Menschen, weil sie die Vielzahl und die Tragweite der derzeitigen Krisen nicht gut einschätzen können. Gesundheitsförderung ist der Prozess, „Menschen zu befähigen, Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen“. Dazu muss man Menschen befähigen, Informationen gezielter zu bekommen, einzuordnen und für den persönlichen Lebensbereich und den damit verbundenen Verhaltensentscheidungen zu nutzen. Die Gesundheitsförderung hat dazu in den letzten vierzig Jahren hervorragende Instrumente entwickelt, die jetzt breit genutzt werden sollten. „Co-design“, „Befähigungsstrategien“, „Bürgerbeteiligung“, „Gesundheitskompetenz“ und „gesundheitsförderliche Gesamtpolitiken“ sind hier nur einige – zugegebenermaßen etwas sperrige – Begriffe, die die Kernkompetenz der Gesundheitsförderung beschreiben.


Die Stärkung der Lebenswelt-/Settingorientierung, die Förderung der Gesundheitskompetenz sowie die Verankerung von Gesundheit in allen Politikbereichen (Health in All Policies, HiAP) gehören zu den thematischen Schwerpunkten der BVPG 2021-2023. Das sind auch Inhalte, die für das WHO-Ziel #HealthForAll von Bedeutung sind.

Absolut. Die Umsetzung von populationsspezifischen Public Health-Interventionen findet in den Lebensräumen der Menschen statt, also dort wo Menschen leben, arbeiten, spielen, googeln. So sind Schulen, Arbeitsplätze oder Städte, aber auch Regionen oder Inseln Orte, die man gesundheitsfördernd gestalten kann.

Verstehen wir beispielsweise Schulen als Lebensraum, in dem Schülerinnen und Schüler, Eltern, Angestellte und Lehrerkräfte einen Großteil ihres Tages verbringen, wird man den Schulalltag mit den Curricula, dem Schuldesign, den Versorgungsleistungen, den Schulwegen, der Art der Entscheidungsfindung und des Schulmanagements insgesamt in den Blick nehmen und auf ihre Auswirkungen auf die Gesundheit ausrichten.

„Health in all Policies“ ist ein Ansatz, der die möglichen Auswirkungen von politischen Entscheidungen auf die Gesundheit in den Blick nimmt. Dabei werden politische Optionen erarbeitet, die als Entscheidungshilfe dienen. Wir haben gerade bei COVID gesehen, wie stark eine Gesundheitskrise in alle Bereiche unseres Lebens eingreift.

Wir kannten die Zusammenhänge der öffentlichen Gesundheit mit Wirtschaft, Mobilität, Abfallwirtschaft, Finanzen, Bildung, Landwirtschaft oder Sozialem. Aber wie wichtig Entscheidungen in den Bereichen Stadtplanung, Kommunikation, Logistik, Beschaffungswesen, IT Technologien oder im Kulturbereich sind, ist vielen erst jetzt so richtig deutlich geworden. Diese Erfahrungen sollten wir nun nutzen, um Gesellschaften zu schaffen, die unser aller Wohlbefinden fördern. Ich finde, dass dies ein hervorragendes politisches Ziel ist, welches wir alle gemeinsam angehen könnten!


Die Fragen stellte Ulrike Meyer-Funke, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG).

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Informationen zum Weltgesundheitstag 2023 und zum 75. Jubiläum der WHO finden Sie hier.

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Dr. Rüdiger Krech | Since 2019 Director of the Department of Health Promotion at the World Health Organization (WHO) in Geneva. He heads WHO’s work on risk factors such as tobacco consumption and harmful use of alcohol and is responsible for work on health-promoting settings and programs for more physical activity. In addition to the normative work, his team supports Member States with appropriate health promotion instruments, such as health literacy, empowerment and community engagement, public health legislation and fiscal measures to design well-being societies.

Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Klimawandel„Für die Gesundheitsgefahren des Klimawandels sensibilisieren“

Das Präventionsforum, das die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) im Auftrag der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) durchführt, hatte 2022 „Klimawandel und Gesundheit – Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten“ als Schwerpunktthema. Basis der Beratungen beim Präventionsforum war das in einem partizipativen Prozess entwickelte Papier zur Gesundheits-, Sicherheits- und Teilhabeförderung in Lebenswelten im Kontext klimatischer Veränderungen (kurz: NPK-Papier Gesundheit und Klima), das im November 2022 von der NPK verabschiedet wurde. Dr. Monika Kücking vom GKV-Spitzenverband, die mit ihrem Team maßgeblich an der Entwicklung des Papiers beteiligt war, erläutert Ziele und Inhalte des Papiers.

Die Nationale Präventionskonferenz verabschiedet Handlungsgrundlagen zur gesundheitsorientierten Bewältigung des Klimawandels

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt der Klimawandel die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit dar. Er bringt neue Gesundheitsprobleme mit sich, verstärkt bestehende und hat enorme Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Hierauf sollte reagiert werden. Klimawandelbedingte Gesundheitsgefahren können durch klimaschützende und -anpassende Maßnahmen vermindert oder verhindert werden. Dies kann angesichts der enormen Herausforderung nur durch einen gesamtgesellschaftlichen und politikfeldübergreifenden Ansatz sowie ein breites bürgerschaftliches Engagement gelingen. Auch Gesundheitsförderung und Prävention können hier einen Beitrag leisten. Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sind in allen Lebenswelten wie Kommunen, Schulen und Betrieben als wichtige Aufgaben zu verankern und umzusetzen. Dabei müssen Mensch, Natur und Umwelt im Sinne eines „One Health“-Ansatzes systemisch betrachtet werden.

Die Nationale Präventionskonferenz (NPK) möchte dazu beitragen, den mit dem Klimawandel einhergehenden gesundheitlichen Risiken frühzeitig durch lebensweltbezogene Aktivitäten zur Prävention, Gesundheits-, Sicherheits- und Teilhabeförderung zu begegnen. Dabei soll die beste verfügbare Evidenz zu wirksamen sowie zweckmäßigen Maßnahmen und Vorgehensweisen genutzt werden.

Daher haben wir, die stimmberechtigten Mitglieder der NPK, uns 2022 unter Einbezug der beratenden Mitglieder sowie weiterer Organisationen und Verbände intensiv dem Thema Klimawandel und Gesundheit gewidmet. Gemeinsam haben wir in einem partizipativen Prozess Handlungsmöglichkeiten, -notwendigkeiten und insbesondere Unterstützungsbeiträge aufgabenbezogen zusammengetragen und transparent gemacht. Das entsprechende Papier mit dem Titel „Prävention, Gesundheits-, Sicherheits- und Teilhabeförderung in Lebenswelten im Kontext klimatischer Veränderungen“ (kurz: NPK-Papier Gesundheit und Klima) wurde auf dem Präventionsforum 2022 diskutiert, auf Basis der Erkenntnisse des Forums finalisiert und im November 2022 nunmehr von der NPK beschlossen.

Ziel des NPK-Papiers Gesundheit und Klima ist es zum einen, in Deutschland für Gesundheitsförderung und Prävention Verantwortliche und Zuständige für die Gesundheitsgefahren des Klimawandels zu sensibilisieren. Zum anderen soll es zu einer Intensivierung präventiver Anstrengungen sowie zu einer verbesserten Koordination beitragen. Aus Sicht der NPK ist ein abgestimmtes Vorgehen unerlässlich, um die gesellschaftliche Herausforderung zu meistern, Gesundheitsgefahren durch den Klimawandel vorzubeugen und klima- sowie gesundheitsschützend zu agieren.

Eine erfolgreiche Bewältigung erfordert jedoch ein Zusammenwirken, das über die in Deutschland für Gesundheitsförderung und Prävention verantwortlichen und zuständigen Akteure hinausgeht. Aufgrund der Größe und Komplexität dieser Aufgabe kommt es darauf an, dass sich alle Träger öffentlicher Aufgaben zusammen mit Wirtschaft, Medien, Zivilgesellschaft engagieren. Besonders wichtig ist dabei ein hohes Maß an Transparenz und kontinuierlicher Abstimmung, um koordiniert und zielgerichtet zu handeln sowie Synergien auszuschöpfen. Einen Beitrag dazu soll das Papier der NPK leisten. Es skizziert Unterstützungsbeiträge, die die Mitglieder der NPK und die von ihnen repräsentierten Organisationen zur Bewältigung des Klimawandels und damit verbundener Gesundheitsgefahren beisteuern können.

Mit dem NPK-Papier Gesundheit und Klima möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass Leistungen der Gesundheitsförderung und Prävention nicht nur die individuelle Gesundheit verbessern, sondern auch zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen beitragen. Dies kann aus unserer Sicht gelingen, wenn vorhandene Strukturen, Prozesse, Projekte und Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention bei der Planung und Umsetzung klimaschützender bzw. anpassender Aktivitäten berücksichtigt und Anknüpfungspunkte sowie Synergien genutzt werden.

Zum Beispiel bieten kommunale bzw. stadtteilbezogene Netzwerke wie das Gesunde Städte Netzwerk oder Gesundheitsregionen die Möglichkeit, Themen bzw. Maßnahmen zu Klimaschutz und -anpassung praxisnah zu diskutieren, partizipativ zu entwickeln, aufeinander abzustimmen und nachhaltig zu verankern. Gleichzeitig sollten klimaschützende und -anpassende Elemente in bestehende verhältnis- und verhaltenspräventive, gesundheits-, sicherheits- und teilhabeförderliche Strukturen, Netzwerke, Prozesse, Projekte und Maßnahmen integriert und entsprechender Austausch gefördert werden. So können beispielsweise Maßnahmen zu einem gesundheitsfördernden Ernährungsverhalten zugleich die Klima- und die CO2-Bilanz sowie den Wasser- und Flächenverbrauch verbessern helfen.

Dabei kann die Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit den Erfolg wesentlich unterstützen. Ziel muss es sein, dass Aktivitäten partizipativ gestaltet werden, sodass sie für alle Menschen auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Bestehende Barrieren müssen abgebaut bzw. reduziert werden, um gesunde Umwelt- und Lebensverhältnisse für alle Menschen zu schaffen. Auch mit dem Klimaschutz und der Klimaanpassung verbundene finanzielle Belastungen müssen fair verteilt und sozial ausgewogen gestaltet werden.

Das NPK-Papier Gesundheit und Klima, das im November 2022 von der NPK verabschiedet worden ist, soll fortan zu einem verstärkten Handeln führen. Wir freuen uns, wenn viele Akteure die Verbreitung des Papiers unterstützen und sich am weiteren Prozess auch mit eigenen Beiträgen beteiligen. Sie sind herzlich eingeladen, den Link zum NPK-Papier weiterzugeben und gemeinsam mit uns auf die Umsetzung der Empfehlungen hinzuwirken. Künftig sollen auch die Bundesrahmenempfehlungen nach § 20d Abs. 3 SGB V Aussagen zur Verhinderung und Minderung klimawandelbedingter Gesundheitsgefahren im Kontext lebensweltbezogener Gesundheitsförderung und Prävention treffen.

Auch wenn das Thema Klimawandel im Gesundheitswesen insgesamt noch relativ neu ist, zeigte uns unter anderem das Präventionsforum 2022, dass sich neben der NPK bereits viele Akteure im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention auf den Weg gemacht haben. Neben dem gemeinsamen Handeln müssen gleichermaßen eigenverantwortlich notwendige Schritte im jeweiligen Einflussbereich eingeleitet und verfolgt werden.

Der GKV-Spitzenverband als stimmberechtigtes Mitglied der NPK unterstützt die Verhütung der mit dem Klimawandel einhergehenden Gesundheitsgefahren im Bereich der Prävention zum Beispiel, indem er den Leitfaden Prävention, der als Grundlage für die Präventionsangebote der Krankenkassen dient, weiterentwickelte. Krankenkassen erhalten mit der Neufassung des Leitfadens erweiterte Handlungsmöglichkeiten zur Unterstützung der Versicherten, der kommunal Verantwortlichen sowie der Träger von Lebenswelten und Betrieben zu gesundheitlich relevanten Aspekten des Klimaschutzes und der Klimaanpassung.


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Dr. rer. pol. Monika Kücking | Seit 2008 Leiterin der Abteilung Gesundheit beim GKV-Spitzenverband. Zuvor Abteilungsleiterin beim Verband der Angestellten-Krankenkassen und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen.

Die Nationale Präventionskonferenz (NPK) wurde mit dem am 25.07.2015 in Kraft getretenen Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention eingeführt. Ihre Aufgabe ist es, eine nationale Präventionsstrategie zu entwickeln und fortzuschreiben (§§ 20d und 20e SGB V). Träger der NPK sind die gesetzliche Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung sowie die soziale Pflegeversicherung, vertreten durch ihre Spitzenorganisationen: GKV-Spitzenverband, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sowie Deutsche Rentenversicherung Bund. Sie bilden die NPK als Arbeitsgemeinschaft nach § 94 Absatz 1a SGB X.

Der GKV-Spitzenverband ist der Verband aller gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. Als solcher gestaltet er den Rahmen für die gesundheitliche Versorgung in Deutschland; er vertritt die Kranken- und Pflegekassen und damit auch die Interessen der 73 Millionen Versicherten und Beitragszahlenden auf Bundesebene gegenüber der Politik und gegenüber Leistungserbringenden wie der Ärzte- und Apothekerschaft oder Krankenhäusern. Der GKV-Spitzenverband übernimmt alle nicht wettbewerblichen Aufgaben in der Kranken- und Pflegeversicherung auf Bundesebene.

Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Diabetesprävention„Diabetesprävention: sichtbar machen und weiter nach vorne bringen!“

Zur Prävention von Diabetes mellitus und um die Bevölkerung besser über das Krankheitsbild aufzuklären, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gemeinsam mit einem Fachbeirat eine „Nationale Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie zu Diabetes mellitus” entwickelt. Prof. Dr. Martin Dietrich, kommissarischer Direktor der BZgA, erläutert die gemeinsame Strategie.

Herr Professor Dietrich, warum ist es wichtig, die Bevölkerung über Diabetes zu infomieren?

In Deutschland leben etwa 7 Millionen Menschen mit Diabetes und 1,3 Millionen von ihnen wissen es gar nicht. Typ-2-Diabetes ist im Erwachsenenalter mit etwa 93 Prozent die häufigste Diabetesform und steigt mit zunehmendem Alter an. An Typ-1-Diabetes erkrankt man hingegen vorwiegend im Kindes- und Jugendalter. Die Krankheit kann Folgeerkrankungen an Organen verursachen, und Menschen mit Diabetes sowie ihre Angehörigen leiden oftmals unter psychosozialen Belastungen. Das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln wird häufig unterschätzt. So gehen knapp 80 Prozent der Menschen mit einem erhöhten Diabetesrisiko davon aus, ihr Risiko sei eher gering, an Diabetes zu erkranken. Auch die Hausärzteschaft vermutet, dass der Wissensstand und das Risikobewusstsein zu Diabetes bei ihren Patientinnen und Patienten gering bis mittelmäßig sind.


Was kann eine effektive Diabetesprävention leisten?

Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko deutlich reduzieren, an Typ-2-Diabetes zu erkranken oder Folgeerkrankungen bei bestehendem Diabetes zu entwickeln. Übergewicht und Adipositas sind dabei wichtige beeinflussbare Faktoren und die gegenwärtigen Umgebungs- und Lebensbedingungen – die häufig Bewegungsmangel – und unausgewogene Ernährung fördern – begünstigen einen Anstieg von Typ-2-Diabetes. Andererseits können Typ-2-Diabetes sowie auch weitere nicht übertragbare Erkrankungen durch geeignete und sich ergänzende verhaltens- und verhältnisbezogene Maßnahmen teils verhindert werden. Diese Maßnahmen sollten die Bevölkerung auch für die Herausforderungen der Diabetesprävention sensibilisieren, ihr aber ebenfalls die Möglichkeiten aufzeigen, ihnen zu begegnen. Dazu zählt auch, gesichertes Wissen zu Gesundheitsfragen zu vermitteln, die Gesundheitskompetenz zu erhöhen und Selbstwirksamkeit zu stärken.


Welche Aufgabe hat die BZgA bezüglich der Diabetesaufklärung?

Die BZgA hat die originäre Aufgabe, die Bevölkerung durch qualitätsgesicherte Aufklärung zu Gesundheitsthemen zu informieren und sie durch adressatengerechte Ansprache zu einer gesunden Lebensweise zu motivieren. Dabei sind Teilhabe von Zielgruppen und Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen, sozialversicherungsrechtlichen sowie staatlichen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern wesentliche Bausteine für den Erfolg präventiver Maßnahmen.

Daher ist es folgerichtig, dass die BZgA durch das BMG betraut wurde, an der Entwicklung der „Nationalen Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie zu Diabetes mellitus“ mitzuwirken und diese zu koordinieren. Gemeinsam mit dem eigens eingerichteten Fachbeirat mit Vertretungen aus für die Diabetesaufklärung relevanten Verbänden sowie Organisationen und Institutionen wurde die Strategie mit ihren Handlungsfeldern, Zielen und Zielgruppen in einem partizipativen Prozess erarbeitet und im November 2022 veröffentlicht (www.diabetesnetz.info).


Was umfasst die Nationale Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie zu Diabetes mellitus?

Der Fokus der Nationalen Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie zu Diabetes mellitus liegt auf der Verhaltensprävention durch nicht stigmatisierende Information und Aufklärung zu Diabetes und seinen Risiko- und Schutzfaktoren – inbesondere zu Typ-2-Diabetes. Die Strategie soll dazu beitragen, dass in der Bevölkerung der Wissensstand über Diabetes verbessert, die gesellschaftliche Akzeptanz der Erkrankung gesteigert sowie das präventive und gesundheitsförderliche Verhalten gestärkt werden. Gemeinsam mit dem Fachbeirat wurden hierzu drei Handlungsfelder formuliert.

Handlungsfeld I „Diabetes vermeiden“ fokussiert auf die Primärprävention des Typ-2-Diabetes und die Gesundheitsförderung. Dabei werden insbesondere die Risikofaktoren Übergewicht und Adipositas, körperliche Inaktivität, unausgewogene Ernährung sowie Rauchen adressiert.Handlungsfeld II „Diabetes früh erkennen“ setzt den Schwerpunkt auf die sekundärpräventiven Früherkennungsmöglichkeiten hinsichtlich Typ-2-Diabetes und Gestationsdiabetes, die die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der ambulanten ärztlichen Versorgung kostenlos in Anspruch nehmen können.Handlungsfeld III „Diabetes gut behandeln“ legt den Schwerpunkt auf die Vermeidung oder Abmilderung diabetesspezifischer Komplikationen bzw. Folgeerkrankungen durch verbesserte Kenntnis von Möglichkeiten, wie ein bereits bestehender Diabetes gut behandelt werden kann und sich nicht weiter verschlimmert.


Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden?

Generell soll die Strategie die Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren ansprechen. Wichtige Teilzielgruppen sind Menschen mit einem besonderen Diabetesrisiko (medizinische Aspekte: z. B. Menschen mit genetischer Disposition, übergewichtige Menschen, schwangere Frauen), vulnerable Gruppen (soziale Aspekte: z. B. Menschen mit Migrationshintergrund, niedrigem sozioökonomischem Status, geringerer Bildung, höherem Lebensalter) sowie Menschen mit Diabetes. Dabei werden auch die in den Lebenswelten wichtigen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wie medizinisches Fachpersonal (u. a. Ärzteschaft, Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater, Diabetesberaterinnen und Diabetesberater) sowie pädagogisches Fachpersonal (u. a. Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte) einbezogen.


Welche Unterstützung leistet das derzeit in der Gründung befindliche Kooperationsnetzwerk zur Diabetesprävention?

Es gibt in Deutschland bereits zahlreiche Akteurinnen und Akteure, die zu Diabetes und seinen Risiko- und Schutzfaktoren Aufklärungsarbeit leisten. Um hier Synergieeffekte zu nutzen und Lücken aufzuzeigen, soll ein Kooperationsnetzwerk aufgebaut werden. In diesem sollen prioritäre konkrete Ziele formuliert und darauf aubauend die weitere qualitätsgesicherte Maßnahmenplanung und -umsetzung erfolgen. Die Vielfalt der Akteurinnen und Akteure mit ihren unterschiedlichen Präventionsansätzen bleibt erhalten und unterstützt die Weiterentwicklung innovativer Kommunikationsansätze. In die Maßnahmenplanung und -umsetzung fließen auch Ergebnisse der Projekte ein, die bereits im Rahmen der Strategieentwicklung durchgeführt wurden und auf die aufgebaut werden kann. Im Fokus steht dabei das Diabe-tesinformationsportal diabinfo.de, das bereits als zentrale Plattform für die Verbreitung von Informationen zu Diabetes entwickelt wurde und weiterentwickelt wird.


Wie geht es weiter?

Die im November 2022 veröffentlichte Nationale Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie zu Diabetes mellitus ist als Grundstein zu verstehen. Nun gilt es, zusammen im Rahmen des aufzubauenden Kooperationsnetzwerks „Diabetesnetz Deutschland – gemeinsam gesünder“ die Strategie wirksam in die Praxis umzusetzen und weiterzuentwickeln. Die Herausforderungen liegen dabei in der Komplexität der Diabetesprävention, in der Entwicklung eines integrierten und abgestimmten Umsetzungskonzepts und darin, die Nachhaltigkeit der Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie sicherzustellen. Das Kooperationsnetzwerk bietet die Chance, der Diabetesprävention mehr Sichtbarkeit und mehr Gewicht zu geben und sie damit weiter nach vorne zu bringen.


Die Fragen stellte Ulrike Meyer-Funke, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG).

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Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt Klimawandel: Interview mit Prof. Dr. Susanne Moebus, Direktorin des Instituts für Urban Public Health am Universitätsklinikum Essen und Keynote-Speaker des Präventionsforums 2022: „Klimawandel und Gesundheit können zum positiven Narrativ werden“.

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Prof. Dr. Martin Dietrich | Seit 2021 Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), zuvor stellvertretender Leiter. W3-Professur für Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Universität des Saarlandes, Management des Gesundheitswesens, Schwerpunkt Innovation und Versorgungsentwicklung, seit 2017 Honorarprofessor. Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Management im Gesundheitswesen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bereitet Informationen zur Prävention und Gesundheitsförderung adressatengerecht auf und koordiniert ihre Dissemination. Dies umfasst die Entwicklung von Konzepten und Materialien (z. B. Anzeigen, Plakate, Broschüren, audiovisuelle Medien, Ausstellungen, Mehrebenenkampagnen) und ihre Streuung in Zielgruppen sowie die Evaluation der Maßnahmen. Die BZgA unterstützt zudem die Qualitätsentwicklung in der Prävention und Gesundheitsförderung

Digitalisierung in der Prävention und Gesundheitsförderung„Angebote der Setting-Prävention: ab 2024 auf einer innovativen Online-Plattform“

Die DIFA (kurz für: Digitale Infrastruktur für Angebote in der Setting-Prävention) ermöglicht erstmalig, Angebote der Setting-Prävention auf einer digitalen Plattform zentral und niedrigschwellig zu bündeln. Die Plattform soll künftig der Ort sein, an dem überregional Beratungen, Schulungen, Moderation, Projektmanagement und Vernetzung leicht und effizient stattfinden. Sie richtet sich an alle, die gesundheitsförderliche Projekte in der Setting-Prävention anbieten und nutzen. Initiator der Plattform ist der Verband der Privaten Krankenversicherung e. V. (PKV-Verband) – eine Mitgliedsorganisation der BVPG.  Im Interview erläutert Dr. Timm Genett, Geschäftsführer Politik im PVK-Verband, die Hintergründe und Planungen für die Umsetzung der DIFA.

Herr Dr. Genett, warum braucht es eine DIFA?

Digitale Gesundheitslösungen gewinnen mehr und mehr an Relevanz. Dazu zählen nicht mehr nur Apps zur individuellen Verhaltensänderung, sondern auch digital unterstützte Angebote im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention in Settings wie Schulen, Pflegeeinrichtungen oder Jugendhilfen. Wie wichtig diese Angebote sind und wie groß die Entwicklungs- und Innovationsbedarfe sind, hat sich vor allem während der SARS-CoV-2-Pandemie gezeigt. Digitale und hybride Angebote sind nicht mehr wegzudenken und werden in vielen Bereichen Mittel der Wahl sein.

2020 haben wir Pathways Public Health GmbH mit einer Expertise zur Recherche und Analyse für eine digitale Plattform in der Setting-Prävention beauftragt. Ein zentrales Ergebnis: Digitale Angebote der Setting-Prävention sind oft schwer auffindbar, selten miteinander verknüpft und häufig nicht in dem Umfang und der Qualität verfügbar, den sich Nutzende wünschen. Bisher gibt es keine technische Lösung, die alle Leistungen der Setting-Prävention gut abbildet. So entstand die Idee, eine digitale Infrastruktur für diese Setting-Angebote zu entwickeln: die DIFA. Sie soll der digitale Ort für möglichst viele settingbezogene Präventionsangebote nach § 20a SGB V bzw. § 5 SGB XI werden – egal ob für Kitas, Schulen, Vereine oder Pflegeeinrichtungen.


Wer profitiert von der DIFA?

Wir möchten eine Plattform entwickeln, die zur Teilnahme an Präventionsangeboten motiviert und verschiedenste Bedürfnisse berücksichtigt. Daher wurden zunächst Interviews und Workshops mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen digitale Versorgung, Pflege, Bildung und Prävention durchgeführt. Daraus konnten wir die zentralen Anforderungen an eine Plattform ableiten: Die Plattform soll multifunktional sein und Schulung, Beratung, Projektmanagement und Vernetzung digital oder hybrid ermöglichen. Außerdem wünschen sich die befragten Personen Trainings für einen geschulten Umgang mit digitalen Angeboten und den damit verbundenen Technologien. Denn digitale (Gesundheits-)Kompetenzen können wir nicht bei allen voraussetzen.

Weiterhin besteht der Wunsch nach einer gut auffindbaren und leicht verständlichen Übersicht aller analogen, hybriden und digitalen Angebote der PKV und deren Partnerinnen und Partner. Mit unserer Plattform möchten wir eine Antwort auf diese Anforderungen liefern: Leistungserbringende sollen settingbezogene Präventionsleistungen auf der Plattform entwickeln und anbieten können, Leitungskräfte aus Settings (z. B. leitende Angestellte in Pflegeeinrichtungen oder Kita-Träger) sollen Präventionsprogramme auffinden, initiieren sowie managen können und verschiedenste Gruppen von Nutzenden (z. B. Pflege- und Lehrkräfte, Eltern oder Schülerinnen und Schüler) an den Angeboten teilnehmen können.

Die Plattform wird aber nicht nur für uns und unsere Kooperationspartnerinnen und -partner nutzbar sein, sondern auch für weitere Akteurinnen und Akteure aus dem Bereich der Gesundheitsförderung. Angestrebt wird eine so genannte White Label-Lösung: Entwickelnde und Anbietende von Setting-Programmen sollen künftig große Teile der Plattform im eigenen Corporate Design und nach ihren Nutzungsvorstellungen (z. B. Inhalte, Farben, Logos) beziehungsweise gemäß den Bedarfen der teilnehmenden Gruppen gestalten können.  


Was ist das Innovative an der neuen Plattform?

Ein wichtiges Element der Plattform werden die Projekträume sein. Nutzende werden diese nach ihren eigenen Bedarfen gestalten können. Mithilfe verschiedenster Tools findet hier Beratung, Schulung und Vernetzung statt – alles an einem Ort und optimal aufeinander abgestimmt.

Das auf Moodle basierende Learning Management System ist State-of-the-art. Dank seines Open Source-Ansatzes ist sichergestellt, dass es kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt wird. Durch die Eigenentwicklung ermöglicht die Plattform erstmals Projektmanagement-Tools in Moodle – hier schaffen wir einen deutlichen Mehrwert gegenüber vorhandenen technischen Lösungen.

Die Plattform ist ein partizipatives Kooperationsprojekt: Die nutzerzentrierte Umsetzung der Plattform übernimmt IBM iX Berlin GmbH. Die Präventionsprogramme, die wir mit vier unserer Kooperationspartnerinnen und -partner entwickeln, dienen als Pilotprojekte für die DIFA. Die vier Teams entwickeln parallel erste digitale Angebote – von E-Learnings über digitale Beratungskonzepte bis hin zu individuellen Online-Coachings. Hierbei handelt es sich um das WIR – Walk In Ruhr, Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin, DSPN – Dein Starker Partner für Netzwerke GmbH & Co. KG, die Schwulenberatung Berlin gGmbH und die contec GmbH, die Unternehmens- und Personalberatung in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft.

Nicht nur das Endprodukt selbst, also die multifunktionale Plattform, hat Innovationscharakter. Auch mit dem Prozess der Entwicklung als umfassendes Verbundprojekt gehen wir neue Wege. So ist es stark multiprofessionell und -perspektivisch ausgerichtet, um auf verschiedene Bedürfnisse und Anforderungen zu antworten. Pathways Public Health GmbH ist mit dem Verbundpartnermanagement betraut. Sie managen Informationen, Risiken und Chancen im Projektverlauf, koordinieren Aufgaben und Termine, vermitteln und coachen die Projektpartnerinnen und -partner sowie weitere Stakeholder.


Wie stellen Sie die Qualität der DIFA sicher?

Die Qualität der Plattform sichern wir durch zwei Evaluationen, die fortlaufend Gestaltungs- und Optimierungsimpulse an das Entwicklungsteam herantragen. Hiermit sind Univation, die Universität für Weiterbildung Krems sowie das August-Wilhelm Scheer Institut betraut. Ein Fachbeirat begleitet das Vorhaben seit August 2022. Dieser setzt sich aus Organisationen aus den Bereichen Prävention und Digitalisierung zusammen – viele Perspektiven kommen so zusammen. Im Beirat vertreten sind u. a. die Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), der Deutsche Landkreistag (DLT), die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung e.V.


Wann wird die DIFA verfügbar sein?

2023 erfolgt ein sogenannter softer Launch – ab dann können unsere Pilotpartnerinnen und -partner Schulung, Beratung und Vernetzung anbieten und durchführen. Die öffentliche Webseite mit Informationen zu ihren Präventionsprogrammen ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Es folgt zunächst eine Evaluationsphase unter Berücksichtigung von weiteren Tests unter den Nutzenden. Im Anschluss stellen weitere PKV-Partnerinnen und -partner ihre Angebote auf der Plattform ein, wobei diese parallel entsprechend der Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer weiterentwickelt wird. Im Anschluss an diese zweite Phase erfolgt 2024 der offizielle Launch und somit die Verfügbarkeit der Plattform für die breite Öffentlichkeit. Ab diesem Zeitpunkt können auch andere Institutionen auf die White Label-Variante der Plattform zugreifen und diese für ihre Zwecke nutzen und weiterentwickeln.


Die Fragen stellte Ulrike Meyer-Funke, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG).

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Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt Klimawandel: Interview mit Prof. Dr. Susanne Moebus, Direktorin des Instituts für Urban Public Health am Universitätsklinikum Essen und Keynote-Speaker des Präventionsforums 2022: „Klimawandel und Gesundheit können zum positiven Narrativ werden“.

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Dr. Timm Genett | Seit 2005 beim Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) tätig; seit 2015 als Geschäftsführer Politik. Seit 2015 ehrenamtlich Vorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen. Von 2000 bis 2005 Büroleiter des Bundestagsabgeordneten Günter Baumann (CDU/CSU). Studium der Geschichte, Politik und Philosophie in Münster, Berlin und Turin. Promotion über den Soziologen Robert Michels.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) ist freiwilliges Mitglied der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) und investiert jährlich rund 22 Millionen Euro in die Lebensweltenprävention. Um die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig zu verbessern, arbeitet die PKV mit einem großen Netzwerk von Partnerinnen und Partnern zusammen. Dabei setzt der Verband verstärkt auf innovative digitale Technologien.

Transkulturell sensible Gesundheitsförderung„Transkulturell sensible Gesundheitsförderung partnerschaftlich gestalten!“

Eine transkulturell sensible Gesundheitsförderung kann die Erreichbarkeit vulnerabler Zielgruppen erleichtern und zum Gelingen von Maßnahmen beitragen. Ramazan Salman, Geschäftsführer des Ethno-Medizinischen Zentrums (EMZ), spricht in unserem Interview über das seit Jahren erfolgreich eingesetzte „Gesundheitsprojekt MiMi – mit Migranten, für Migranten“ und die „MiMi-Integrationstechnologie für Gesundheitsförderung“, die im EMZ entwickelt wurde.

Gemeinsam mit der BVPG engagiert sich der Ramazan Salmanim Beirat des Projekts GeniAl (Gemeinsam bewegen – Gesund leben im Alter) des Deutschen Olympischen Sportbundes e.V. (DOSB), das das Ziel verfolgt, die Zugangswege zu älteren Migrantinnen und Migranten zu verbessern und geeignete Angebote zur Gesundheitsförderung zu entwickeln.

Jeder Kulturkreis hat andere Zugänge zu Prävention und Gesundheitsförderung. Transkulturelle Kompetenz und Sensibilität rücken verstärkt in den Fokus fachlichen Handelns. Wie lassen sich Migrantinnen und Migranten erfolgreich erreichen?

In Deutschland leben 22,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, sie bilden aktuell rund 26,7 Prozent der Bevölkerung. Die Zusammensetzung dieser Bevölkerungsgruppe ist kulturell, religiös, sozial und sprachlich von extremer Diversität geprägt.

Studien zeigen, dass bei Menschen mit Migrationshintergrund die Gesundheitskompetenz (Health Literacy) im Durchschnitt geringer ist als bei der Gesamtbevölkerung.

Das Ethno-Medizinische Zentrum e.V. (EMZ) hat sich deshalb als Migrationsorganisation zum Ziel gesetzt, die Gesundheitskompetenz von Menschen aus dem migrantischen Umfeld zu verbessern, um deren Gesundheitsrisiken zu mindern. Wir helfen ihnen seit 1989 dabei, sich im komplexen deutschen Gesundheitssystem zurechtzufinden, fördern gesunde Lebensweisen und tragen zu transkultureller Sensibilität und Handlungskompetenz im Gesundheitswesen bei.

Wir haben durch unsere Arbeit erfahren, dass Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete Informationen benötigen, um ihrerseits die kulturellen, religiösen, sozialen und gesundheitlichen Sichtweisen und Werte des Aufnahmelandes zu verstehen. Die Überwindung von Barrieren ist also eine Aufgabe auf Augenhöhe, in der gemeinsam „Anpassungsleistungen“ beziehungsweise „Integrationsmotivation erfolgen muss. So können auf der einen Seite transkulturell sensible Handlungskompetenz und auf der anderen Seite Gesundheitskompetenz aufgebaut werden und im Ergebnis Vertrauen und Compliance entstehen.


Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland stehen den Herausforderungen einer zunehmend von Diversität geprägten Gesellschaft gegenüber. Das Ethno-Medizinische Zentrum verfügt mit seinen transkulturellen Gesundheitskompetenz-Ansätzen über umfangreiche Erfahrungen in der Förderung von Gesundheitskompetenz und gesundheitlicher Chancengleichgleichheit bei Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten – insbesondere durch den Einsatz des „MiMi-Programms“.

Das MiMi-Programm ist eine soziale Schlüsseltechnologie zur Entwicklung transkultureller Gesundheitskompetenz, Etablierung gesunder Lebensweisen und zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe. Es fördert die Inanspruchnahme von Leistungen des öffentlichen Gesundheitswesens und den Zugang zu muttersprachlichen, transkulturell sensiblen Gesundheitsinformationen für Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete.

Die Implementierung eines MiMi-Programms in einer Kommune beziehungsweise einem Standort dauert erfahrungsgemäß zwölf bis 18 Monate. Die MiMi-Gesundheitsmediatorinnen und -mediatoren erfüllen Mindestanforderungen in Bezug auf Bildung, Sprachkenntnisse und Berufserfahrung und in der Regel ist ihr persönlicher Integrationsgrad weit fortgeschritten.

Für das MiMi-Programm wurde ein umfassender standardisierter Lehrplan erstellt. Die Schulungen werden als „Executive Education“ in deutscher Sprache abgehalten und befähigen zur Planung, Durchführung und Evaluation von Gruppenveranstaltungen.

Im Rahmen der MiMi-Kampagnen und Informationsveranstaltungen für Migrantinnen und Migranten werden mehrsprachige Gesundheitswegweiser-Broschüren, in denen die Teilnehmenden schriftliche Informationen in ihrer Muttersprache erhalten, verbreitet. Diese „Health Guides“ stehen in bis zu 18 Sprachen als Schwerpunkthefte zu den jeweiligen gesundheitlichen Handlungsfeldern und Themen des MiMi-Programms zur Verfügung.

Weitere wichtige Bausteine des MiMi-Programms sind Evaluations- und Forschungsmaßnahmen, Fortbildungsangebote für Fachkräfte öffentlicher Gesundheit, sowie Maßnahmen zur öffentlichen und politischen Kommunikation von Gesundheitskompetenz mit und für Migrantinnen und Migranten.

Die Vernetzung relevanter Akteurinnen und Akteure sowie das Prozessmanagement des MiMi-Programms stellen die größte Herausforderung dar. Mit dem MiMi-Programm wirkt das EMZ, ausgehend von seiner Bundeszentrale in Hannover und seinen Dependancen, dem MiMi Lab Berlin, dem Münchner MiMi-Integrationszentrum Bayern, dem Projektzentrum MiMi-Delta in Mannheim und dem Projektzentrum MiMi-Reha in Hamburg, in elf Bundesländern.


Welche Reichweiten hat das MiMi-Programm erzielt?

In den letzten 15 Jahren wurden gemeinsam mit über 400 Kooperationspartnerinnen und -partnern mehr als 2.800 Mediatorinnen und Mediatoren an über 70 Projektstandorten ausgebildet und 15.200 Gruppenveranstaltungen in 55 Sprachen und Dialekten durchgeführt, die von mehr als 200.000 Migrantinnen und Migranten besucht wurden. Zählt man die rund 940.000 verteilten Gesundheitsratgeber hinzu, wurden insgesamt fast 1.2 Mio Begünstigte erreicht. Wir haben auch MiMi-Projekte an zahlreichen Standorten in Österreich, Dänemark, Belgien oder der Türkei durchgeführt, die in diesen Zahlen nicht berücksichtigt sind.

Das EMZ kann im Rahmen seiner Arbeit auf weitreichende wissenschaftliche Kooperation und Unterstützung von Hochschuleinrichtungen im In- und Ausland bauen. Hierzu zählen u. a. die Bevölkerungsmedizin der Medizinische Hochschule Hannover, mit der ein Forschungsprojekt im Rahmen des Programms zur MiMi-Suchtprävention durchgeführt wurde. Das Institute for Transcultural Health Sciences der Dualen Hochschule Baden-Württemberg begleitet und evaluiert unser, von der Bundesintegrationsbeauftragten gefördertes, bundesweites, MiMi-Programm zur Gewaltprävention und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung an Universität Bremen ist für die Evaluation unseres MiMi-Programms zur Gesundheitsförderung in Deutschland zuständig, das vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt wird. Im Rahmen von EU-Projekten, darunter vom BIBB geförderte Erasmusmaßnahmen, kooperieren wir u. a. mit der Technischen Hochschule auf Zypern, der Universität von Valencia und der SAPIENZA Universität in Rom.

Die Evaluation und Qualitätssicherung unserer MiMi-Programme zur medizinischen Rehabilitation, die wir gemeinsam mit Deutschen Rentenversicherungen durchführen, werden durch gemeinsame Forschungsaktivtäten des EMZ mit dem Zentrum für Bevölkerungsmedizin und Versorgungsforschung der Universität zu Lübeck gesichert.


Gemeinsam mit BVPG-Vorstandsmitglied Sieglinde Ludwig sind Sie im Beirat des DOSB-Projekts GeniAl (Gemeinsam bewegen – Gesund leben im Alter), das gesundheitspräventive Maßnahmen für ältere Migrantinnen und Migranten entwickeln und nachhaltig implementieren soll.

Wir unterstützen das Projekt GeniAl und den DOSB dabei, gesundheitsförderliche Maßnahmen für Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund weiterzuentwickeln. Es ist ein Kernvorhaben des Nationalen Aktionsplans Integration (NAP-I), das bis Ende 2023, gefördert durch das Bundesministerium des Inneren und für Heimat (BMI), Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) umgesetzt werden soll.

Die große Herausforderung beim Thema Gesundheitsförderung und Gesundheitsvorsorge älterer Menschen mit Migrationshintergrund ist die Erreichbarkeit. Wir haben gemeinsam mit dem Kooperationsnetzwerk des Projekts festgestellt, dass mit konkreten Maßnahmen, die sich stark an den Interessen und Erfahrungen der Betroffenen orientieren und mit ihnen gemeinsam entwickelt werden – zum Beispiel gemeinsam „gesund“ zu kochen – die Zielgruppe am besten erreicht und motiviert werden kann.

Auch spielen geschlechterbezogene sensible Vorgehensweisen eine wichtige Rolle. Hier wird es von den Betroffen als weniger angenehm empfunden, und eher mit Scham erlebt, dass beispielsweise Männer das Training von Frauen übernehmen. Das mag auch bei der Mehrheitsbevölkerung vorkommen, ist aber bei einem viel größeren Anteil der migrantischen Bevölkerung festzustellen.

Es hat sich bei der Umsetzung der bisherigen Maßnahmen herausgestellt, dass in Strukturen des Sportwesen sehr effektive Zugänge zu Migrantinnen und Migranten möglich sind. In diesem Rahmen konnten beispielsweise für Frauen Informationsabende über Brustkrebs und für die Männer über Prostatakrebs organisiert werden, die auf großen Zuspruch trafen. Auch finden Seniorinnen, die meistes verwitwet und häufig sehr einsam sind, in diesen Zusammenhängen neue Freundschaften und treffen auf Menschen mit ähnlichen Interessen.

Das sind wichtige Entwicklungen für migrantische Seniorinnen und Senioren, denn der Sport selbst setzt schon seit Jahrzehnten erfolgreich Integrationsprogramme um und hat geeignete weitflächige Infrastrukturen.


Die Corona-Pandemie hat noch einmal deutlich gemacht, dass Nachholbedarf bei der Umsetzung einer transkulturell sensiblen Gesundheitsförderung besteht. Welche Lücken müssen geschlossen werden, damit Menschen mit Migrationshintergrund in ihren Lebenswelten besser erreicht werden können?

Gesundheit ist ein wesentlicher Schlüssel, um sich im Sozialgefüge zu bewegen und die eigenen Möglichkeiten nutzen und einbringen zu können. Dies gilt in verstärktem Maße für Menschen mit Migrationshintergrund. Damit sie gesund leben oder sich im Bedarfsfall kompetent und sicher im Versorgungssystem bewegen können, benötigen sie ein hohes Maß an Gesundheitskompetenz.

Wichtigstes Ziel einer transkulturell sensiblen Gesundheitsförderung ist es deshalb, die Lebensbedingungen, Bedarfe und Interessen der migrantischen Bevölkerung in das eigene institutionelle und professionelle Handeln zu inkludieren. Dies bedeutet, dass in allen Angeboten gesundheitlicher Regelversorgung sprachliche, soziale und kulturelle Unterschiede in ihrer ganzen Vielfältigkeit angemessen berücksichtigt werden. Auf der Basis von Erfahrungen in Zeiten der Pandemie gilt dies nicht nur für die bisherigen analogen, sondern zunehmend auch für neuen digitalen Zugangswege.


Wie gelingt eine transkulturell sensible Gesundheitsförderung in der Praxis?

Ein transkulturell sensibler und kompetenter Umgang mit Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten kann beispielsweise durch Weiterbildungen des Personals oder durch den konzeptionell und finanziell gesicherten Einsatz von versierten Gemeindedolmetscherinnen und -dolmetschern gesichert werden.

Die zunehmende kulturelle Diversität der Bevölkerung sollte sich in der Personalzusammensetzung des Gesundheitswesens widerspiegeln. Hierfür wird mehr Personal mit Migrationshintergrund als bisher und ein entsprechendes „Diversity Management“ beziehungsweise transkulturelle Personalentwicklung benötigt.

Ein bewährter, zugehender Weg die Gesundheitskompetenz der Migrantinnen und Migranten zu stärken und sie für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention zu erreichen, ist die Ausbildung von Gesundheitsmediatorinnen und -mediatoren für die muttersprachliche Informationsvermittlung in den migrantischen Lebenswelten (Transkultureller Setting-Ansatz). Die „dienstältesten“ und einzigen bundesweiten Angebote sind im MiMi-Programm des Ethno-Medizinischen Zentrum zusammengefasst. Es sind jedoch viele weitere gute Projekte auf regionaler Ebene entstanden, so beispielsweise mit Mediator:innen, „Lots:innen“, „Stadtteilmüttern“ oder „Gesundheitsmangerinnen“, die zu verschiedensten Gesundheitsthemen in migrantischen Communities wirken.

Letztlich gilt es, sensibel dafür zu sein, Migration als „Normalfall mit speziellen Herausforderungen und Potentialen“ und nicht als „defizitäre Sonderform der Lebensgestaltung“ zu begreifen. Die Förderung der transkulturellen Gesundheitskompetenz in den migrantischen Communities und die Sicherstellung kompetenter transkulturell sensibler Angebote der Gesundheitsförderung erfolgt idealerweise nicht nur für, sondern im partnerschaftlichen Zusammenwirken mit Migrantinnen und nach Möglichkeit auch mit deren Selbstorganisationen. Wie sagt man so schön: „Der Weg ist das Ziel!“


Die Fragen stellte Ulrike Meyer-Funke, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.

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Interview mit BVPG-Präsidentin Dr. Kirsten Kappert-Gonther, MdB: „Es muss einfacher werden, einen gesunden Alltag zu leben“.

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Ramazan Salman | Diplom-Sozialwissenschaftler, seit 1992 Geschäftsführer des Ethno-Medizinischen Zentrums e.V., Erfinder der MiMi-Integrationstechnologie. 2022 Verleihung der „Europamedaille“ des Landes Bayern für die Verdienste zur Gesundheit in Europa. Seit 2017 Mitglied des Global Future Council des World Economic Forum. 2015 vom European Forum zum „Pionier des Europäischen Gesundheitswesen“ ernannt. Träger des Bundesverdienstkreuzes. Mitglied im Editorial Board des WHO-Newsletters „Migration and Health“. Herausgeber zahlreicher Bücher zu Migration, Gesundheit und Integration.

Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Klimawandel„Klimawandel und Gesundheit können zum positiven Narrativ werden“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht Klimawandel als größte Gesundheitsbedrohung der Menschheit und macht mit dem Motto des Weltgesundheitstages 2022 „Our Planet, our health“ („Unser Planet, unsere Gesundheit“) auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels aufmerksam. Auch das Präventionsforum 2022 widmete sich unter dem Titel „Klimawandel und Gesundheit – Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten“ diesem wichtigen Thema.

Mit der Gesundheitswissenschaftlerin und Epidemiologin Prof. Dr. Susanne Moebus, Direktorin des Instituts für Urban Public Health am Universitätsklinikum Essen und Keynote Speakerin des Präventionsforums 2022, haben wir über die gesundheitlichen Auswirkungen und Herausforderungen der klimatischen Veränderungen gesprochen.

Welche aktuellen Forschungsergebnisse gibt es in Bezug auf Klima und Gesundheit?

Wir befinden uns mitten im Wandel – die Erderwärmung mit global gravierenden Auswirkungen ist längst Realität, die Ursache dafür ist die menschliche Aktivität. Dazu gibt es einen breiten wissenschaftlichen Konsens.

Wichtige und sehr gute Informationen sind im Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) von 2022 zu finden, insbesondere Kapitel 8 zu Gesundheit und Wohlbefinden. Darüber hinaus finden sich auch im World Health Organization Health and Climate Change Survey Report von 2021 hilfreiche wissenschaftlich-basierte Informationen.

Und in naher Zukunft mit dem Blick auf Deutschland der neue Sachstandsbericht „Klimawandel und Gesundheit (KlimGesundAkt)“ vom Robert Koch Institut. Der Bericht wird ab Herbst 2022 und bis 2023 in Form von thematischen Artikeln in einer Beitragsreihe „Klimawandel und Gesundheit“ des Journal of Health Monitoring (JoHM) veröffentlicht. Hierzu werden themenbezogene Artikel im Journal Health Monitoring erscheinen – inklusive die Adressierung der sozialen Determinanten der gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels sowie Handlungsempfehlungen und Konsequenzen für Public Health, was für mich wichtige Punkte darstellen.

Insgesamt möchte ich darauf hinweisen, dass die Adressierung klimawandelbedingter Gesundheitsgefährdungen keinesfalls „nur“ auf Aspekte wie Hitze, Dürre, UV-Strahlung, Überflutungen oder biologische Krankheitserreger begrenzt sein sollte. Sämtliche derzeit anstehenden Maßnahmen sowohl für Mitigation als auch Anpassung – und damit der riesigen Transformationsprozesse – müssten sowohl auf deren Auswirkungen auf die Gesundheit der verschiedenen Populationsgruppen als auch auf Gerechtigkeit, im Sinne von Gesundheit für alle, überprüft werden.

So bedarf es der Überprüfungen der Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise hinsichtlich ihrer gesundheitsfördernden oder -schädigenden Komponenten. Maßnahmen sollen also dahingehend abgeklopft werden, ob sie als gesundheitsfördernd beziehungsweise -erhaltend gelten können, insbesondere durch die Reduktion von Belastungen oder den Zugang zu Ressourcen.


Welche Personengruppen sind von den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels besonders betroffen und wie können diese erreicht werden?

Würden ab sofort Maßnahmen nach bestem Wissen und Gewissen gezielt und gerecht umgesetzt werden, die erforderlich sind, um den Klimawandel zu minimieren, dürfte eigentlich keine Personengruppe mehr besonders betroffen sein.

Da dies leider erstmal ziemlich unwahrscheinlich ist und die verschiedenen Bedarfe und Bedürfnisse der verschiedenen Populationsgruppen nicht berücksichtigt werden, sind es eher die typischen Gruppen: (multi-)morbide Menschen und Menschen mit schweren Einschränkungen in allen Altersklassen und die sozial schwächsten Populationsgruppen (aller Altersklassen). Natürlich auch Kinder und Jugendliche insgesamt, da ihre körperliche Aktivität, Aufenthalt im Freien, Zukunftsperspektiven, Lernfähigkeit beeinträchtigt sein werden.

Besonders betroffen sind sicherlich körperlich tätige Arbeitnehmende – im Übrigen ein schon längst vorhandenes Problem. Die hier aufgezählten Gruppen lassen sich dann noch nach Bildung und Sozialschicht differenzieren, sodass jeweils diejenigen mit geringen und den geringsten Bildungschancen und Einkommen etc. nochmals betroffener sind als diejenigen mit größeren Ressourcen im Rücken.


Welche Lebenswelten sind dabei besonders zu beachten?

Ich kann mir gerade keine besonders betroffene Lebenswelt vorstellen. Ich denke, alle Lebenswelten müssen geschützt und intensiv auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet werden.

Aus meiner Perspektive ist die nachhaltigkeitsorientierte Transformation von urbanen Räumen eine der dringlichsten Herausforderungen. Deshalb steht für mich die Stadt inklusive der öffentlichen städtischen Räume, die die verschiedenen Lebenswelten ja auch räumlich verbinden, im Fokus – wobei ich Stadt immer in Verbindung mit dem Land meine.

Eine Voraussetzung für Gesundheit in der Stadt ist dabei ein Paradigmenwechsel von Krankheitsbekämpfung zu Gesundheitsförderung: durch 1) Stärkung von Ressourcen und Potenzialen für ein gesundes Leben in Städten, 2) eine Verankerung von Gesundheitsförderung durch sektorübergreifende Stadtplanung bzw. -entwicklung sowie 3) eine Förderung der Gesundheitskompetenz der Stadtbevölkerung.


Welche Public Health-Akteurinnen und -Akteure bzw. bestehenden gesundheitsfördernden Strukturen in Bund, Länder und Kommune haben eine Schlüsselfunktion?

Bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise müssen alle Akteurinnen und Akteure aktiv werden! Auf jeder Ebene, in jedem Bereich kann und muss überprüft werden, welchen Einfluss der eigene Bereich auf den Klimawandel hat und wie der eigene Bereich Maßnahmen planen und durchführen oder auch unterstützen kann, damit die Klimakrise bewältigt wird.

Echte Schlüsselakteurinnen und -akteure können sich aber noch entwickeln und zwar dann, wenn Public Health es schafft, Allianzen mit den Bereichen Umwelt, Wirtschaft, Stadtplanung/Architektur, Verkehr etc. einzugehen. Die so gewonnenen Synergien können zu Schlüsselelementen bei der Bewältigung der vielen Folgen des Klimawandels werden.


Wie können die (Gesundheits-)Kompetenzen für klimasensibles Handeln für Akteurinnen und -Akteure in Bund, Ländern und Kommunen verbessert werden?

Wie gesagt – nur durch Kooperationen, Allianzen und Nutzung und Anwendung der geballten eigenen Expertise und in Kooperation mit der Expertise anderer Disziplinen und Verwaltungsbereichen.

Es gibt bereits viele Aktivitäten der genannten Akteurinnen und Akteure. Die meisten bisherigen Anpassungsmaßnahmen sind allerdings fragmentiert, klein und sektorspezifisch – und darauf ausgerichtet, auf aktuelle Auswirkungen oder kurzfristige Risiken zu reagieren. Sie konzentrieren sich eher auf die Planung als auf die Umsetzung.

Eine klimaresiliente und gesundheitsförderliche Entwicklung wird ermöglicht, wenn Regierungen, die Zivilgesellschaft und der Privatsektor integrative Entscheidungen treffen, die der Risikominderung, der Gleichheit und der Gerechtigkeit Vorrang einräumen, und wenn Entscheidungsprozesse, Finanzmittel und Maßnahmen über alle Regierungsebenen, Sektoren und Zeitrahmen hinweg integriert werden. Das Stichwort ist hier: Gesundheit und Klima in allen Politikbereichen.


Welche Chancen ergeben sich durch Klimaschutzanpassungen für Städte und Kommunen?

Vorteile für die Gesundheit und das Wohlbefinden ergeben sich aus einem weit verbreiteten, gerechten Zugang zu erschwinglichen erneuerbaren Energien, aktivem Verkehr, wie zu Fuß gehen und Rad fahren, grünen Gebäuden und naturbasierten Lösungen wie grüner und blauer (Anm.: Wasser) städtischer Infrastruktur sowie aus dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen, auf das Wohlbefinden und die Gerechtigkeit ausgerichteten Wirtschaft, die mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung im Einklang steht.

Eine Zusammenführung der Klima- und der Gesundheitsperspektive eröffnet die Chance, Klimaschutzanpassungen positiver zu „erzählen“. Wenn Public Health die Maßnahmen aktiv mitgestaltet beziehungsweise in die Planungsprozesse einbezogen wird, dann können sogenannte Co-Benefits generiert werden. Es steht allerdings noch aus, zu prüfen, in welchen Bereichen Public Health in Klimaschutz und -anpassung, außer in den Bereichen Mobilität und Ernährung, noch Co-Benefits liefern kann.

Und es muss noch ausformuliert werden, inwieweit Public Health die Umsetzung von Klimaschutz und ‑anpassung erleichtern kann, beispielsweise indem durch die Gesundheitsperspektive positive Botschaften formuliert werden. Das Narrativ der Klimakrise, das oftmals negativ konnotiert ist mit Angst, Bedrohung, Katastrophe und Verzicht, könnte durch die verstärkte Aufmerksamkeit auf Gesundheit in eine positive Erzählung überführt werden: weg von der Verzichtskultur hin zu einer Gewinnkultur.

Die Kommunen könnten davon profitieren, indem es ihnen gelingt, durch interdisziplinär gestaltete Klimaschutzanpassungen gesundheitsfördernde und gesundheitserhaltende Lebensumwelten zu schaffen, die nachhaltig sind und Chancen für bestmögliche Gesundheit für alle bieten.


Die Fragen stellten Ulrike Meyer-Funke und Inke Ruhe, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.

Lesen Sie dazu auch:

Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt Klimawandel:

Interview mit Dr. Ina Zimmermann, Leiterin des Bereichs Gesundheitsförderung/Gesundheitsplanung im Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg und Mitglied im Sprecher*innenrat des Gesunde Städte-Netzwerks.

Interview mit Jörg Freese, Beigeordneter für Jugend, Schule, Kultur und Gesundheit, Deutscher Landkreistag.

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Susanne Moebus | Biologin, Gesundheitswissenschaftlerin und Epidemiologin; Professorin für Urbane Epidemiologie, Direktorin des Instituts für Urban Public Health, Universitätsklinikum Essen. Ehemalige Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, Mitglied u.a. im Use & Access Komitee der NAKO Gesundheitsstudie, der Steuerungsgruppe Zukunftsforum Public Health (ZfPH), Leiterin Forschungsfeld „StadtGesundheit“ Kompetenzfeld Metropolenforschung (KoMet) der Universitätsallianz Ruhr.


Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Wellbeing„We need a systemic change to protect the wellbeing of people and planet“

Population wellbeing and economic growth are intertwined and mutually reinforcing, as published by the Council of the European Union in 2019. This year, the European network of health promotion organisations, EuroHealthNet, published “An Economy of Wellbeing for health equity” (dossier in german: “Eine Ökonomie des Wohlergehens für die Gesundheitliche Gerechtigkeit“) presenting an alternative approach to our current economic system. But why do we need to rethink the existing roles of public health, and what role do prevention and health promotion measures play at a community level? With Caroline Costongs, Director of EuroHealthNet, and keynote speaker at BVPG-status conference 2022, we talked about Health in All Policies, the wellbeing of people and planet, and an “Economy of Wellbeing”.

This year, EuroHealthNet published a paper titled, „An Economy of Wellbeing for health equity”, what was the reason for this publication?

First, thank you for the interview and for picking up on our publication, which indeed is important to us. The way in which we live, work and play is becoming increasingly unsustainable. Childhood obesity, for example, is rising to concerning levels. As recently reported one in three children in the WHO European region are now overweight or obese. This is simply not acceptable.

Shockingly, recent statistics from Wageningen University in the Netherlands, found that only 3 percent of all foods marketed to children can be classified as healthy. They also highlighted that 79 percent of all supermarket food is unhealthy, mostly processed, or ultra-processed food, containing high levels of fat, salt, and/or sugar. Not only is this nutrient-poor food damaging to our health, but its production process is also having significant environmental impacts through increases in greenhouse gas emissions, land, and freshwater use and so on. Though this is only one example from one sector, there is much more evidence that illustrate our unsustainable and unhealthy ways of living.

For example, the inequalities gap in Europe is staggering. One in four children within the European Union is at risk of poverty or social exclusion. This is fuelled through complex and multiple practices and policy action ranging from inadequate public services, to gentrification, and higher pollution levels in deprived areas. Profit making is too often at the cost of people and planet, while this doesn’t need to be the case. There are emerging examples of how commercial and profitable activities can be decoupled from the use of fossil fuels. Other examples show how businesses can thrive on healthy and well-paid workers. The Economy of Wellbeing concept encourages the developments of such practices and provides a clear vision, which we at EuroHealthNet promote through our policy paper.


EuroHealthNet proposes the use of an alternative model to the current economic model through an “Economy of Wellbeing”. What is behind it and why might it be advisable for us to follow this approach?

The “Economy of Wellbeing” is actually an approach that was developed in Finland by one of our member organisations, SOSTE, and has since been taken further by the Finnish government. The government were brave and visionary in proposing this approach – which was presented during their Presidency of the Council of the European Union in 2019 – which ultimately led to Council Conclusions on the Economy of Wellbeing.

The model illustrates how the economy and wellbeing are two sides of the same coin. We simply cannot have one without the other. It builds on the widespread notion that the gross domestic product (GDP) cannot fully assess our economies alone and that new indicators and methodologies are needed to measure societal progress. It also presents arguments as to why wellbeing must be included in all governmental policies and decision making. In that sense it is complementary to earlier “Health in All Policies” concept (and presented by Finnish EU Council Conclusions in 2006).

Despite this, the concept has not come without its critics, with some arguing that the Economy of Wellbeing doesn’t sufficiently prioritise the wellbeing of the planet. However, as the health of people and planet are intrinsically linked, the model would equally work for both environmental and social sustainability as reflected by Kate Raworth’s doughnut model of social and planetary boundaries.

As health promoters we should aim for such a systemic change, one that benefits the health of everyone. We need to develop our capacities to advocate for such an approach at all levels, from local, regional to federal decision tables, contributing with sound evidence and solutions. Only then, by upstream engagement, our more downstream activities (which are also important) will pay off.


What would have to change in concrete terms to promote and maintain our health and the health of the planet in the long term while achieving sustainable and long-term economic growth?

The COVID-19 pandemic laid bare the various failures of our current economic and welfare systems. The severity of COVID-19 rose due to the already existing socio-economic and health inequalities that are present in our society in addition to the high levels of people who live with chronic diseases. Families living in low-quality housing and in deprived areas suffered more. Emerging data highlights an increase in calls relating to domestic violence with many women and children experiencing abuse and violence. Individuals with mental health problems or other health problems received delayed care, and so on.

Social services have been hollowing out since the financial crisis in 2008 and we are now facing the backlash as a result. Building back the resilience of people can only be done through a consistent prioritisation of investment in people’s wellbeing – starting from the early years (first 1000 days and early childhood education and care), throughout the life course until long term care. Several EU policies and strategies, such as the European Pillar of Social Rights and the new European Care Strategy are examples that are paving the way forward to a fairer future.

Prioritising actions that mitigate the climate crisis is also key. Phasing out fossil fuels, creating a responsible use of natural resources and protecting and promoting biodiversity, to name a few, is required if we are to safeguard the environment.

The European Green Deal, including the European Union’s (EU) Farm to Fork Strategy and Fit for 55 packages, demonstrate that actions are being taken at EU level to achieve climate neutrality. However, more needs to be done to take forward the Economy of Wellbeing, if we are to hit all the targets outlined within the United Nation’s 2030 Agenda and Sustainable Development Goals.

The pandemic alone has led to various rigorous actions that were taken in the course of the last two years. When there is a crisis and political will, important measures can be taken. . However, the question remains: How big does a crisis need to be (taking into consideration the current threat of climate crisis, food insecurity, social inequities, and under-valuation of essential workers), before real political action is taken?

Political action needed is one that reflects this paradigm change of the Economy of Wellbeing, rethinking economic growth as a concept that includes social and environmental goals on an equal footing.


For many, this sounds impossible or difficult to implement. How can an “Economy of Wellbeing for health equity” be translated into reality and what is the role of prevention and health promotion at the community level?

We should not become overwhelmed with the scope of the change needed, but rather focus on the added value we can bring – through the strengthening of our community health approaches.

However, we also need to be more ambitious. For example, we should make sure health promoting services get better funded. More and more public and private investors are keen to invest in programmes with green, social or health impacts. We need to stand ready with a pipeline of attractive solutions and clear and concrete proposals for action. In addition, Health promoters must not underestimate the potential power of legislation and make better use of our legislative systems.

There are many initiatives already in place that we can use as strong examples of societal impact. Evidence-based interventions from WHO through its Best Buys, have had previous successes with smoking bans, along with case studies on the taxation on unhealthy and unsustainable products, green and healthy procurement laws, and advertising bans.

We need to pro-actively engage with finance and legal actors to achieve the Economy of Wellbeing. We also need to make sure that our solutions address the real needs, and do not unintentionally worsen inequalities. We must co-create these solutions with targeted groups across the social gradient. This requires meaningful participation, giving communities a vested interest in their success, and opportunities for evaluation. By the way, there are already many local initiatives existing that benefit both health equity and the environment and organised by local communities. We should embrace, encourage and embed such initiatives in municipal public health and health promotion strategies and support them in the shift to an Economy of Wellbeing.


Where is this already being implemented?

A range of countries are already working with the Economy of Wellbeing concept, such as in New Zealand where, for example they have dedicated wellbeing budgets at national government.

In Europe, it is of course Finland who are leading by example, as they strive towards developing an Economy of Wellbeing roadmap to achieve a better balance between the societal dimensions for a more sustainable and fairer development. I am part of an international expert group Finland has set up on this concept.

The United Kingdom is also showing progress. In Scotland, for example, they have developed a Wellbeing Economy Monitor to measure how the country’s economy contributes to improving ideals that people value, such as health, equality, fair work, and environmental sustainability which the government uses to guide decision making. In Iceland they have a wellbeing framework with 39 indicators. Wales adopted a legal Act, namely, the “Well-being of Future Generations Act” that ensures the sustainability of future generations through environment, economy, society and culture – with a specific Commissioner and accountability processes in place.

There are ample experiences and good practices out there that we can learn from. All of these countries are part of the international Wellbeing Economy Governments network, and of other partnerships that have started to emerge in this area, such as WeAll, of which EuroHealthNet is also a member.

For Germany, which of course is a much bigger country, adopting an Economy of Wellbeing approach should also be feasible. The new Public Health Services Act (ÖGD) provides a great opportunity to rethink the roles of public health, health promotion and disease prevention in communities but also at national level. Important topics to consider are health inequalities, mental health, and climate change as part of a wider paradigm change such as the Economy of Wellbeing and how regional and local levels can best be supported.


To achieve health and well-being of the population, the concept of “Health in All Policies” (HiAP) – among others a focus topic of the BVPG – is considered promising. What are the intersections between these two concepts?

Addressing interlinked problems requires an intersectoral approach – encouraging system-thinking, setting common goals and joint financing. “Health in All Policies” is a key concept from the perspective of the health sector.

We should consider the health impacts in all other sector policies and understand how to best approach this together to advance health. However, I find this concept less capable to bring other sectors together. Other sectors have their own sectoral priorities and are not necessarily inspired by health as an overarching goal. EuroHealthNet has tried with a new concept “Health for All Policies” but even that doesn’t greatly facilitate cooperation.

The Economy of Wellbeing has a much bigger potential. Taking wellbeing as a horizontal ambition and vision to decide on trade-offs for the best outcomes for people and planet, the concept can be utilised to consider the interlinkages between sector challenges and include system-thinking as a mindset.

Finally, it is also a vision for the wellbeing of our planet which is so urgently needed and currently lacking in the HiAP approach. However, at EuroHealthNet, we embrace both concepts, depending on the context of our work, to achieve a more resilient, equitable and sustainable societies. It is worth mentioning that at the 10th WHO Global Health Promotion Conference, a charter on wellbeing was issued, which I encourage you to have a look at too as well as our short film on the Economy of Wellbeing of course!


The questions were posed by Linda Arzberger, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (Federal Association for Prevention and Health Promotion).

Lesen Sie dazu auch:

Interview mit Prof.in Dr. Dagmar Starke, kommissarische Leiterin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf (AÖGW) und BVPG-Vorstandsmitglied: „In einem modernen ÖGD wird Gesundheitsförderung zum Coachingprozess“.

Weitere Informationen zur BVPG-Statuskonferenz „Die Bedeutung des ÖGD für die kommunale Prävention und Gesundheitsförderung“ erhalten Sie hier.

Interview mit Prof. Dr. Ilona Kickbusch: Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt Health in All Policies.

Mehr zu Prävention und Gesundheitsförderung in den Lebenswelten erfahren Sie hier.

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Caroline Costongs | Director of EuroHealthNet; she oversees EuroHealthNet’s Framework Agreement with the European Commission (2022-2026) and leads on EuroHealthNet’s MoU with WHO Europe (2021-2026). Priority areas include: health promotion across the life-course, NCDs prevention, food policy, climate change and health, mental health, digital health literacy and the Economy of Wellbeing; active in various EU and WHO fora, as well as in Advisory Boards of European projects and is a member of the ICC – International Council for the European Public Health Conference; international background with more than 25 years of experience in public health and health promotion; M.Sc. in Public Health from the University of Maastricht.

Brussels-based, EuroHealthNet is a non-profit partnership of organisations, agencies and statutory bodies working to contribute to a healthier Europe by promoting health and health equity between and within European countries. EuroHealthNet achieves this through its partnership framework by supporting members’ work in EU and associated states through policy and project development, networking, and communications. It has connections with national and regional governments, as well as with the European institutions, and therefore a good understanding of how evidence and information on health equity can be introduced in current policy making agendas. The current President of EuroHealthNet is Prof. Dr. Martin Dietrich, acting director of BZgA, the Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Germany.