Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Klimawandel„Klimawandel und Gesundheit können zum positiven Narrativ werden“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht Klimawandel als größte Gesundheitsbedrohung der Menschheit und macht mit dem Motto des Weltgesundheitstages 2022 „Our Planet, our health“ („Unser Planet, unsere Gesundheit“) auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels aufmerksam. Auch das Präventionsforum 2022 widmete sich unter dem Titel „Klimawandel und Gesundheit – Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten“ diesem wichtigen Thema.

Mit der Gesundheitswissenschaftlerin und Epidemiologin Prof. Dr. Susanne Moebus, Direktorin des Instituts für Urban Public Health am Universitätsklinikum Essen und Keynote-Speaker des Präventionsforums, haben wir über die gesundheitlichen Auswirkungen und Herausforderungen der klimatischen Veränderungen gesprochen.

Welche aktuellen Forschungsergebnisse gibt es in Bezug auf Klima und Gesundheit?

Wir befinden uns mitten im Wandel – die Erderwärmung mit global gravierenden Auswirkungen ist längst Realität, die Ursache dafür ist die menschliche Aktivität. Dazu gibt es einen breiten wissenschaftlichen Konsens.

Wichtige und sehr gute Informationen sind im Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) von 2022 zu finden, insbesondere Kapitel 8 zu Gesundheit und Wohlbefinden. Darüber hinaus finden sich auch im World Health Organization Health and Climate Change Survey Report von 2021 hilfreiche wissenschaftlich-basierte Informationen.

Und in naher Zukunft mit dem Blick auf Deutschland der neue Sachstandsbericht „Klimawandel und Gesundheit (KlimGesundAkt)“ vom Robert Koch Institut. Der Bericht wird ab Herbst 2022 und bis 2023 in Form von thematischen Artikeln in einer Beitragsreihe „Klimawandel und Gesundheit“ des Journal of Health Monitoring (JoHM) veröffentlicht. Hierzu werden themenbezogene Artikel im Journal Health Monitoring erscheinen – inklusive die Adressierung der sozialen Determinanten der gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels sowie Handlungsempfehlungen und Konsequenzen für Public Health, was für mich wichtige Punkte darstellen.

Insgesamt möchte ich darauf hinweisen, dass die Adressierung klimawandelbedingter Gesundheitsgefährdungen keinesfalls „nur“ auf Aspekte wie Hitze, Dürre, UV-Strahlung, Überflutungen oder biologische Krankheitserreger begrenzt sein sollte. Sämtliche derzeit anstehenden Maßnahmen sowohl für Mitigation als auch Anpassung – und damit der riesigen Transformationsprozesse – müssten sowohl auf deren Auswirkungen auf die Gesundheit der verschiedenen Populationsgruppen als auch auf Gerechtigkeit, im Sinne von Gesundheit für alle, überprüft werden.

So bedarf es der Überprüfungen der Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise hinsichtlich ihrer gesundheitsfördernden oder -schädigenden Komponenten. Maßnahmen sollen also dahingehend abgeklopft werden, ob sie als gesundheitsfördernd beziehungsweise -erhaltend gelten können, insbesondere durch die Reduktion von Belastungen oder den Zugang zu Ressourcen.

Welche Personengruppen sind von den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels besonders betroffen und wie können diese erreicht werden?

Würden ab sofort Maßnahmen nach bestem Wissen und Gewissen gezielt und gerecht umgesetzt werden, die erforderlich sind, um den Klimawandel zu minimieren, dürfte eigentlich keine Personengruppe mehr besonders betroffen sein.

Da dies leider erstmal ziemlich unwahrscheinlich ist und die verschiedenen Bedarfe und Bedürfnisse der verschiedenen Populationsgruppen nicht berücksichtigt werden, sind es eher die typischen Gruppen: (multi-)morbide Menschen und Menschen mit schweren Einschränkungen in allen Altersklassen und die sozial schwächsten Populationsgruppen (aller Altersklassen). Natürlich auch Kinder und Jugendliche insgesamt, da ihre körperliche Aktivität, Aufenthalt im Freien, Zukunftsperspektiven, Lernfähigkeit beeinträchtigt sein werden.

Besonders betroffen sind sicherlich körperlich tätige Arbeitnehmende – im Übrigen ein schon längst vorhandenes Problem. Die hier aufgezählten Gruppen lassen sich dann noch nach Bildung und Sozialschicht differenzieren, sodass jeweils diejenigen mit geringen und den geringsten Bildungschancen und Einkommen etc. nochmals betroffener sind als diejenigen mit größeren Ressourcen im Rücken.

Welche Lebenswelten sind dabei besonders zu beachten?

Ich kann mir gerade keine besonders betroffene Lebenswelt vorstellen. Ich denke, alle Lebenswelten müssen geschützt und intensiv auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet werden.

Aus meiner Perspektive ist die nachhaltigkeitsorientierte Transformation von urbanen Räumen eine der dringlichsten Herausforderungen. Deshalb steht für mich die Stadt inklusive der öffentlichen städtischen Räume, die die verschiedenen Lebenswelten ja auch räumlich verbinden, im Fokus – wobei ich Stadt immer in Verbindung mit dem Land meine.

Eine Voraussetzung für Gesundheit in der Stadt ist dabei ein Paradigmenwechsel von Krankheitsbekämpfung zu Gesundheitsförderung: durch 1) Stärkung von Ressourcen und Potenzialen für ein gesundes Leben in Städten, 2) eine Verankerung von Gesundheitsförderung durch sektorübergreifende Stadtplanung bzw. -entwicklung sowie 3) eine Förderung der Gesundheitskompetenz der Stadtbevölkerung.

Welche Public Health-Akteurinnen und -Akteure bzw. bestehenden gesundheitsfördernden Strukturen in Bund, Länder und Kommune haben eine Schlüsselfunktion?

Bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise müssen alle Akteurinnen und Akteure aktiv werden! Auf jeder Ebene, in jedem Bereich kann und muss überprüft werden, welchen Einfluss der eigene Bereich auf den Klimawandel hat und wie der eigene Bereich Maßnahmen planen und durchführen oder auch unterstützen kann, damit die Klimakrise bewältigt wird.

Echte Schlüsselakteurinnen und -akteure können sich aber noch entwickeln und zwar dann, wenn Public Health es schafft, Allianzen mit den Bereichen Umwelt, Wirtschaft, Stadtplanung/Architektur, Verkehr etc. einzugehen. Die so gewonnenen Synergien können zu Schlüsselelementen bei der Bewältigung der vielen Folgen des Klimawandels werden.

Wie können die (Gesundheits-)Kompetenzen für klimasensibles Handeln für Akteurinnen und -Akteure in Bund, Ländern und Kommunen verbessert werden?

Wie gesagt – nur durch Kooperationen, Allianzen und Nutzung und Anwendung der geballten eigenen Expertise und in Kooperation mit der Expertise anderer Disziplinen und Verwaltungsbereichen.

Es gibt bereits viele Aktivitäten der genannten Akteurinnen und Akteure. Die meisten bisherigen Anpassungsmaßnahmen sind allerdings fragmentiert, klein und sektorspezifisch – und darauf ausgerichtet, auf aktuelle Auswirkungen oder kurzfristige Risiken zu reagieren. Sie konzentrieren sich eher auf die Planung als auf die Umsetzung.

Eine klimaresiliente und gesundheitsförderliche Entwicklung wird ermöglicht, wenn Regierungen, die Zivilgesellschaft und der Privatsektor integrative Entscheidungen treffen, die der Risikominderung, der Gleichheit und der Gerechtigkeit Vorrang einräumen, und wenn Entscheidungsprozesse, Finanzmittel und Maßnahmen über alle Regierungsebenen, Sektoren und Zeitrahmen hinweg integriert werden. Das Stichwort ist hier: Gesundheit und Klima in allen Politikbereichen.

Welche Chancen ergeben sich durch Klimaschutzanpassungen für Städte und Kommunen?

Vorteile für die Gesundheit und das Wohlbefinden ergeben sich aus einem weit verbreiteten, gerechten Zugang zu erschwinglichen erneuerbaren Energien, aktivem Verkehr, wie zu Fuß gehen und Rad fahren, grünen Gebäuden und naturbasierten Lösungen wie grüner und blauer (Anm.: Wasser) städtischer Infrastruktur sowie aus dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen, auf das Wohlbefinden und die Gerechtigkeit ausgerichteten Wirtschaft, die mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung im Einklang steht.

Eine Zusammenführung der Klima- und der Gesundheitsperspektive eröffnet die Chance, Klimaschutzanpassungen positiver zu „erzählen“. Wenn Public Health die Maßnahmen aktiv mitgestaltet beziehungsweise in die Planungsprozesse einbezogen wird, dann können sogenannte Co-Benefits generiert werden. Es steht allerdings noch aus, zu prüfen, in welchen Bereichen Public Health in Klimaschutz und -anpassung, außer in den Bereichen Mobilität und Ernährung, noch Co-Benefits liefern kann.  

Und es muss noch ausformuliert werden, inwieweit Public Health die Umsetzung von Klimaschutz und ‑anpassung erleichtern kann, beispielsweise indem durch die Gesundheitsperspektive positive Botschaften formuliert werden. Das Narrativ der Klimakrise, das oftmals negativ konnotiert ist mit Angst, Bedrohung, Katastrophe und Verzicht, könnte durch die verstärkte Aufmerksamkeit auf Gesundheit in eine positive Erzählung überführt werden: weg von der Verzichtskultur hin zu einer Gewinnkultur.

Die Kommunen könnten davon profitieren, indem es ihnen gelingt, durch interdisziplinär gestaltete Klimaschutzanpassungen gesundheitsfördernde und gesundheitserhaltende Lebensumwelten zu schaffen, die nachhaltig sind und Chancen für bestmögliche Gesundheit für alle bieten.

Die Fragen stellten Ulrike Meyer-Funke und Inke Ruhe, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.

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Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt Klimawandel:

Interview mit Dr. Ina Zimmermann, Leiterin des Bereichs Gesundheitsförderung/Gesundheitsplanung im Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg und Mitglied im Sprecher*innenrat des Gesunde Städte-Netzwerks.

Interview mit Jörg Freese, Beigeordneter für Jugend, Schule, Kultur und Gesundheit, Deutscher Landkreistag.

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Susanne Moebus | Biologin, Gesundheitswissenschaftlerin und Epidemiologin; Professorin für Urbane Epidemiologie, Direktorin des Instituts für Urban Public Health, Universitätsklinikum Essen. Ehemalige Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, Mitglied u.a. im Use & Access Komitee der NAKO Gesundheitsstudie, der Steuerungsgruppe Zukunftsforum Public Health (ZfPH), Leiterin Forschungsfeld „StadtGesundheit“ Kompetenzfeld Metropolenforschung (KoMet) der Universitätsallianz Ruhr.


Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Wellbeing„We need a systemic change to protect the wellbeing of people and planet“

Population wellbeing and economic growth are intertwined and mutually reinforcing, as published by the Council of the European Union in 2019. This year, the European network of health promotion organisations, EuroHealthNet, published “An Economy of Wellbeing for health equity” (dossier in german: “Eine Ökonomie des Wohlergehens für die Gesundheitliche Gerechtigkeit“) presenting an alternative approach to our current economic system. But why do we need to rethink the existing roles of public health, and what role do prevention and health promotion measures play at a community level? With Caroline Costongs, Director of EuroHealthNet, and keynote speaker at BVPG-status conference 2022, we talked about Health in All Policies, the wellbeing of people and planet, and an “Economy of Wellbeing”.

This year, EuroHealthNet published a paper titled, „An Economy of Wellbeing for health equity”, what was the reason for this publication?

First, thank you for the interview and for picking up on our publication, which indeed is important to us. The way in which we live, work and play is becoming increasingly unsustainable. Childhood obesity, for example, is rising to concerning levels. As recently reported one in three children in the WHO European region are now overweight or obese. This is simply not acceptable.

Shockingly, recent statistics from Wageningen University in the Netherlands, found that only 3 percent of all foods marketed to children can be classified as healthy. They also highlighted that 79 percent of all supermarket food is unhealthy, mostly processed, or ultra-processed food, containing high levels of fat, salt, and/or sugar. Not only is this nutrient-poor food damaging to our health, but its production process is also having significant environmental impacts through increases in greenhouse gas emissions, land, and freshwater use and so on. Though this is only one example from one sector, there is much more evidence that illustrate our unsustainable and unhealthy ways of living.

For example, the inequalities gap in Europe is staggering. One in four children within the European Union is at risk of poverty or social exclusion. This is fuelled through complex and multiple practices and policy action ranging from inadequate public services, to gentrification, and higher pollution levels in deprived areas. Profit making is too often at the cost of people and planet, while this doesn’t need to be the case. There are emerging examples of how commercial and profitable activities can be decoupled from the use of fossil fuels. Other examples show how businesses can thrive on healthy and well-paid workers. The Economy of Wellbeing concept encourages the developments of such practices and provides a clear vision, which we at EuroHealthNet promote through our policy paper.


EuroHealthNet proposes the use of an alternative model to the current economic model through an “Economy of Wellbeing”. What is behind it and why might it be advisable for us to follow this approach?

The “Economy of Wellbeing” is actually an approach that was developed in Finland by one of our member organisations, SOSTE, and has since been taken further by the Finnish government. The government were brave and visionary in proposing this approach – which was presented during their Presidency of the Council of the European Union in 2019 – which ultimately led to Council Conclusions on the Economy of Wellbeing.

The model illustrates how the economy and wellbeing are two sides of the same coin. We simply cannot have one without the other. It builds on the widespread notion that the gross domestic product (GDP) cannot fully assess our economies alone and that new indicators and methodologies are needed to measure societal progress. It also presents arguments as to why wellbeing must be included in all governmental policies and decision making. In that sense it is complementary to earlier “Health in All Policies” concept (and presented by Finnish EU Council Conclusions in 2006).

Despite this, the concept has not come without its critics, with some arguing that the Economy of Wellbeing doesn’t sufficiently prioritise the wellbeing of the planet. However, as the health of people and planet are intrinsically linked, the model would equally work for both environmental and social sustainability as reflected by Kate Raworth’s doughnut model of social and planetary boundaries.

As health promoters we should aim for such a systemic change, one that benefits the health of everyone. We need to develop our capacities to advocate for such an approach at all levels, from local, regional to federal decision tables, contributing with sound evidence and solutions. Only then, by upstream engagement, our more downstream activities (which are also important) will pay off.


What would have to change in concrete terms to promote and maintain our health and the health of the planet in the long term while achieving sustainable and long-term economic growth?

The COVID-19 pandemic laid bare the various failures of our current economic and welfare systems. The severity of COVID-19 rose due to the already existing socio-economic and health inequalities that are present in our society in addition to the high levels of people who live with chronic diseases. Families living in low-quality housing and in deprived areas suffered more. Emerging data highlights an increase in calls relating to domestic violence with many women and children experiencing abuse and violence. Individuals with mental health problems or other health problems received delayed care, and so on.

Social services have been hollowing out since the financial crisis in 2008 and we are now facing the backlash as a result. Building back the resilience of people can only be done through a consistent prioritisation of investment in people’s wellbeing – starting from the early years (first 1000 days and early childhood education and care), throughout the life course until long term care. Several EU policies and strategies, such as the European Pillar of Social Rights and the new European Care Strategy are examples that are paving the way forward to a fairer future.

Prioritising actions that mitigate the climate crisis is also key. Phasing out fossil fuels, creating a responsible use of natural resources and protecting and promoting biodiversity, to name a few, is required if we are to safeguard the environment.

The European Green Deal, including the European Union’s (EU) Farm to Fork Strategy and Fit for 55 packages, demonstrate that actions are being taken at EU level to achieve climate neutrality. However, more needs to be done to take forward the Economy of Wellbeing, if we are to hit all the targets outlined within the United Nation’s 2030 Agenda and Sustainable Development Goals.

The pandemic alone has led to various rigorous actions that were taken in the course of the last two years. When there is a crisis and political will, important measures can be taken. . However, the question remains: How big does a crisis need to be (taking into consideration the current threat of climate crisis, food insecurity, social inequities, and under-valuation of essential workers), before real political action is taken?

Political action needed is one that reflects this paradigm change of the Economy of Wellbeing, rethinking economic growth as a concept that includes social and environmental goals on an equal footing.


For many, this sounds impossible or difficult to implement. How can an “Economy of Wellbeing for health equity” be translated into reality and what is the role of prevention and health promotion at the community level?

We should not become overwhelmed with the scope of the change needed, but rather focus on the added value we can bring – through the strengthening of our community health approaches.

However, we also need to be more ambitious. For example, we should make sure health promoting services get better funded. More and more public and private investors are keen to invest in programmes with green, social or health impacts. We need to stand ready with a pipeline of attractive solutions and clear and concrete proposals for action. In addition, Health promoters must not underestimate the potential power of legislation and make better use of our legislative systems.

There are many initiatives already in place that we can use as strong examples of societal impact. Evidence-based interventions from WHO through its Best Buys, have had previous successes with smoking bans, along with case studies on the taxation on unhealthy and unsustainable products, green and healthy procurement laws, and advertising bans.

We need to pro-actively engage with finance and legal actors to achieve the Economy of Wellbeing. We also need to make sure that our solutions address the real needs, and do not unintentionally worsen inequalities. We must co-create these solutions with targeted groups across the social gradient. This requires meaningful participation, giving communities a vested interest in their success, and opportunities for evaluation. By the way, there are already many local initiatives existing that benefit both health equity and the environment and organised by local communities. We should embrace, encourage and embed such initiatives in municipal public health and health promotion strategies and support them in the shift to an Economy of Wellbeing.


Where is this already being implemented?

A range of countries are already working with the Economy of Wellbeing concept, such as in New Zealand where, for example they have dedicated wellbeing budgets at national government.

In Europe, it is of course Finland who are leading by example, as they strive towards developing an Economy of Wellbeing roadmap to achieve a better balance between the societal dimensions for a more sustainable and fairer development. I am part of an international expert group Finland has set up on this concept.

The United Kingdom is also showing progress. In Scotland, for example, they have developed a Wellbeing Economy Monitor to measure how the country’s economy contributes to improving ideals that people value, such as health, equality, fair work, and environmental sustainability which the government uses to guide decision making. In Iceland they have a wellbeing framework with 39 indicators. Wales adopted a legal Act, namely, the “Well-being of Future Generations Act” that ensures the sustainability of future generations through environment, economy, society and culture – with a specific Commissioner and accountability processes in place.

There are ample experiences and good practices out there that we can learn from. All of these countries are part of the international Wellbeing Economy Governments network, and of other partnerships that have started to emerge in this area, such as WeAll, of which EuroHealthNet is also a member.

For Germany, which of course is a much bigger country, adopting an Economy of Wellbeing approach should also be feasible. The new Public Health Services Act (ÖGD) provides a great opportunity to rethink the roles of public health, health promotion and disease prevention in communities but also at national level. Important topics to consider are health inequalities, mental health, and climate change as part of a wider paradigm change such as the Economy of Wellbeing and how regional and local levels can best be supported.


To achieve health and well-being of the population, the concept of “Health in All Policies” (HiAP) – among others a focus topic of the BVPG – is considered promising. What are the intersections between these two concepts?

Addressing interlinked problems requires an intersectoral approach – encouraging system-thinking, setting common goals and joint financing. “Health in All Policies” is a key concept from the perspective of the health sector.

We should consider the health impacts in all other sector policies and understand how to best approach this together to advance health. However, I find this concept less capable to bring other sectors together. Other sectors have their own sectoral priorities and are not necessarily inspired by health as an overarching goal. EuroHealthNet has tried with a new concept “Health for All Policies” but even that doesn’t greatly facilitate cooperation.

The Economy of Wellbeing has a much bigger potential. Taking wellbeing as a horizontal ambition and vision to decide on trade-offs for the best outcomes for people and planet, the concept can be utilised to consider the interlinkages between sector challenges and include system-thinking as a mindset.

Finally, it is also a vision for the wellbeing of our planet which is so urgently needed and currently lacking in the HiAP approach. However, at EuroHealthNet, we embrace both concepts, depending on the context of our work, to achieve a more resilient, equitable and sustainable societies. It is worth mentioning that at the 10th WHO Global Health Promotion Conference, a charter on wellbeing was issued, which I encourage you to have a look at too as well as our short film on the Economy of Wellbeing of course!


The questions were posed by Linda Arzberger, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (Federal Association for Prevention and Health Promotion).

Lesen Sie dazu auch:

Interview mit Prof.in Dr. Dagmar Starke, kommissarische Leiterin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf (AÖGW) und BVPG-Vorstandsmitglied: „In einem modernen ÖGD wird Gesundheitsförderung zum Coachingprozess“.

Weitere Informationen zur BVPG-Statuskonferenz „Die Bedeutung des ÖGD für die kommunale Prävention und Gesundheitsförderung“ erhalten Sie hier.

Interview mit Prof. Dr. Ilona Kickbusch: Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt Health in All Policies.

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Caroline Costongs | Director of EuroHealthNet; she oversees EuroHealthNet’s Framework Agreement with the European Commission (2022-2026) and leads on EuroHealthNet’s MoU with WHO Europe (2021-2026). Priority areas include: health promotion across the life-course, NCDs prevention, food policy, climate change and health, mental health, digital health literacy and the Economy of Wellbeing; active in various EU and WHO fora, as well as in Advisory Boards of European projects and is a member of the ICC – International Council for the European Public Health Conference; international background with more than 25 years of experience in public health and health promotion; M.Sc. in Public Health from the University of Maastricht.

Brussels-based, EuroHealthNet is a non-profit partnership of organisations, agencies and statutory bodies working to contribute to a healthier Europe by promoting health and health equity between and within European countries. EuroHealthNet achieves this through its partnership framework by supporting members’ work in EU and associated states through policy and project development, networking, and communications. It has connections with national and regional governments, as well as with the European institutions, and therefore a good understanding of how evidence and information on health equity can be introduced in current policy making agendas. The current President of EuroHealthNet is Prof. Dr. Martin Dietrich, acting director of BZgA, the Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Germany.

Prävention und Gesundheitsförderung - Schwerpunkt Klimawandel„Die Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit werden stärker spürbar“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt den Klimawandel als größte gesundheitliche Bedrohung der Menschheit und stellt den diesjährigen Weltgesundheitstag am 7. April unter das Motto „Our planet, our health“ („Unser Planet, unsere Gesundheit“). Einblicke in Strategien und Maßnahmen zum Klima- und Gesundheitsschutz, insbesondere zum Schutz vor Hitzewellen, gibt Dr. Ina Zimmermann, Leiterin des Bereichs Gesundheitsförderung/Gesundheitsplanung im Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg und Mitglied im Sprecher*innenrat des Gesunde Städte-Netzwerks.

„Die Folgen des Klimawandels werden auch in Deutschland stärker spürbar: Hohe Temperaturen und Hitzewellen führen in den Kommunen und besonders in Städten zunehmend zu Gesundheitsproblemen der Bevölkerung.

Zu den Risikofaktoren zählen soziodemografische Faktoren wie Alter, finanzielle Lage, Bildungsniveau oder sprachliche Barrieren, individuelle Faktoren wie Vorerkrankungen oder lebensweltliche Bedingungen wie die Wohn- und Lebenssituation der Menschen. Daher besitzt die Anpassung an Hitzeereignisse zur Vermeidung hitzebedingter Gesundheitsschäden eine hohe und vor dem Hintergrund des Klimawandels drängende gesundheitspolitische Relevanz.

Kommunale Hitzeaktionspläne richten sich daher vor allem auf besonders hitzevulnerable Gruppen wie Kleinkinder und Säuglinge sowie ältere Menschen, Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen, Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen, suchtkranke und/oder wohnungslose Menschen. Gerade für sie stellen Hitzewellen eine teils extreme gesundheitliche Herausforderung dar, die zu ernsthaften Erkrankungen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen kann.

Während der Corona-Pandemie kam und kommt es zusätzlich zu einer Verstärkung von Gesundheitsrisiken durch Hitze, denn gerade vulnerable Gruppen können sich nicht ausreichend davor schützen. Bei fehlenden Grünflächen im unmittelbaren Wohnumfeld bieten sich insbesondere auch für Kinder nicht genügend Möglichkeiten für Bewegung und Abkühlung im Freien. Auch ältere, mobilitätseingeschränkte und chronisch erkrankte Menschen trauen sich möglicherweise aus Angst vor einer Ansteckung nicht nach draußen. Auch die regelmäßige Unterstützung und Hilfestellung durch jüngere Personen bleibt dann häufig aus.

Menschen in sozioökonomisch benachteiligten Quartieren wohnen häufiger in Wohnungen mit einem niedrigeren energetischen Standard, unzureichender Dämmung und Kühlung.

Die Pandemiesituation unterstreicht mehr denn je, dass Klimaanpassungsstrategien auf kommunaler Ebene notwendig sind. Innerhalb von Stadtverwaltungen kommt den Gesundheitsämtern eine wichtige Aufgabe zu.

Das Gesunde Städte-Netzwerk engagiert sich auch als Mitglied im Healthy Cities Netzwerk der WHO Europa und hat begonnen, sich diesem Problem zu stellen und negative gesundheitliche Folgen des Klimawandels in den Kommunen abzuwenden und abzumildern.

Dazu haben bereits einige Mitglieds-Kommunen Hitzeaktionspläne verabschiedet und viele arbeiten daran. Dresden und Mannheim sind aktuelle Beispiele. Auch die wissenschaftliche Unterstützung ist dabei von Bedeutung: Kooperationen mit Hochschulen und Universitäten haben begonnen.

Ziel von kommunalen Hitzeaktionsplänen ist es

  • das Wohlbefinden der Bevölkerung in Hitzeperioden zu erhöhen oder wenigstens zu erhalten, die Kompetenz der Bevölkerung mit Hitze umzugehen zu steigern,
  • die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Mortalität in der Bevölkerung durch Hitze zu vermindern,
  • der Überlastung des Gesundheitssystems durch hitzebedingte Erkrankungen und Notfälle entgegenzuwirken sowie
  • die Bevölkerung vor Gefahren durch Hitzewellen zu warnen und zu sensibilisieren

Das Gesunde Städte-Netzwerk ist eine Lernplattform zum Austausch von Erfahrungen und zur Qualifikation für kommunale Gesundheitsförderung und Prävention. Es hat daher in seinen Veranstaltungen, seinen Kooperationen und seinen Medien das Thema Hitzeschutz und Gesundheit hoch auf seine Agenda gesetzt.

Immer mehr Kommunen, auch im Gesunde Städte-Netzwerk, verpflichten sich mit neuen Leitbildern auf eine vorbildliche nachhaltige Lebensqualität mit hoher Sicherheit als Grundlage für ein gesundes, glückliches Leben für alle Menschen. Dazu gehört auch die klimagerechte – demnächst klimaneutrale – und resiliente Stadt.

Wir laden alle Kommunen ein, sich mit dem Gesunde Städte-Netzwerk auf den Weg zu machen!“

Kontakt für den Sprecher*innenrat des Gesunde Städte-Netzwerk: Dr. Ina Zimmermann.


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Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt Klimawandel: Interview mit Jörg Freese, Beigeordneter für Jugend, Schule, Kultur und Gesundheit, Deutscher Landkreistag.

Mehr zu Prävention und Gesundheitsförderung erfahren Sie hier.

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Dr. Ina Zimmermann | Sozialwissenschaftlerin, Leiterin des Bereichs Gesundheitsförderung/Gesundheitsplanung im Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg, Mitglied im Sprecher*innenrat des Gesunde Städte-Netzwerk sowie im Beirat zur Beratung zukunftsfähiger Strukturen im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) des Bundesministeriums für Gesundheit.

Das Gesunde Städte-Netzwerk Deutschland versteht sich als kommunales Sprachrohr auf der Bundesebene für die kompetente Gestaltung einer lebensweltlichen Gesundheitsförderung durch integrierte Handlungsansätze und bürgerschaftliches Engagement. Im Juni 1989 in Frankfurt am Main gegründet, umfasst das Gesunde Städte-Netzwerk der Bundesrepublik Deutschland heute 92 Mitgliedskommunen, mit insgesamt über 24 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Besonderheit: Sowohl auf Bundesebene als auch vor Ort wirken kommunale Verwaltungen und zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine und Träger aus der Gesundheits- und Selbsthilfearbeit gleichberechtigt zusammen.


Prävention und Gesundheitsförderung - Schwerpunkt Klimawandel„Klimawandel und Gesundheit dürfen nicht isoliert betrachtet werden“

Unter dem Motto „Our Planet, our health“ („Unser Planet, unsere Gesundheit“) setzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beim Weltgesundheitstag 2022 den Fokus auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit. Um Bedingungen für das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Menschen zu schaffen, nehmen Kommunen eine Schlüsselrolle ein. Über die Herausforderungen des Klimawandels für den ländlichen Raum sprechen wir mit Jörg Freese, Beigeordneter für Jugend, Schule, Kultur und Gesundheit, Deutscher Landkreistag.

„Die deutschen Landkreise haben einige wesentliche Kompetenzen für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen wie auch für Prävention und Gesundheitsförderung der Bevölkerung. Beide Aufgabenbereiche sollte man nicht mehr isoliert betrachten. Denn die Veränderungen, insbesondere der massive Klimawandel, bedrohen unsere natürliche Lebensgrundlagen, aber auch die Gesundheit jedes Individuums.

Daher sind die bereits 2019 formulierten Empfehlungen zum Fortschritt von Klimaschutz und Klimaanpassung im deutschen Gesundheitswesen auch für die Landkreise von Bedeutung: Die systematische und flächendeckende Umsetzung von Hitzeschutzplänen zur Reduktion von hitzebedingten Gesundheitsrisiken, die Reduktion des CO2-Fußabdrucks des deutschen Gesundheitssektors und die Integration von Klimawandel und Gesundheit in Aus-, Fort- und Weiterbildung von Gesundheitsberufen.

Jedem ist klar, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, bevor die Umsetzung beispielsweise von flächendeckenden Hitzeschutzplänen Realität geworden ist. Denn sollen sie wirksam sein, so ist es notwendig, die Interessen verschiedenster Gruppen im Gemeinwesen zusammenzuführen und auf gemeinsame Ziele zu vereinen. Das erfordert eine Überzeugungsarbeit, die vor allem auch Zeit kostet.

Die Landkreise setzen in ihrem Verantwortungsbereich viele Maßnahmen um, die der Verhältnisprävention zuzurechnen sind. Aufgrund der dünneren Besiedlung in den Landkreisen gegenüber Ballungsräumen treten zwar andere Probleme auf als beispielsweise in Großstädten. Dennoch müssen auch die Landkreise und ihre kreisangehörigen Städte und Gemeinden dafür Sorge tragen, dass die gesamte Bevölkerung bei Hitze durch geeignete Maßnahmen sowohl der Bauleitplanung als auch durch den Ausbau von Grünflächen und weiteren Maßnahmen geschützt wird.

Wichtig ist auch die Kooperation zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen. Eine Politik, die darauf gerichtet ist, die Herstellung vor allem auch erneuerbarer Energien und beispielsweise Stromtrassen erneut vorrangig in die ländlichen Räume zu verlagern und damit die Lasten einseitig dort zusammenzuführen, um in Großstädten möglichst „klimaneutral“ leben und arbeiten zu können, wird nicht funktionieren.

Es muss eine sinnvolle und gerechte „Arbeitsteilung“ zwischen dicht und weniger dicht besiedelten Räumen in Deutschland erfolgen. Hierfür muss die Bundesregierung die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Dies ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Akzeptanz von Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Energiewende – und damit auch ein wesentlicher Beitrag zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung in Deutschland.

Für die Landkreise sind Krankenhäuser, die häufig auch in eigener Trägerschaft vorgehalten sind, die wichtigsten Einrichtungen des Gesundheitswesens. Krankenhäuser sind aber auch große Energieverbraucher. Diese Tatsache muss für die Landkreise vor allem als Träger von eigenen Krankenhäusern eine zunehmende Rolle spielen. Dann wird dies ein weiterer Beitrag für den Gesundheitsschutz sowohl der Menschen, die im Krankenhaus und im Gesundheitswesen allgemein arbeiten als auch für die Patientinnen und Patienten – und damit die Bevölkerung insgesamt.“


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Jörg Freese | Diplom-Verwaltungswirt (FH), seit 2008 Beigeordneter beim Deutschen Landkreistag und dort verantwortlich für Kinder- und Jugendhilfe, Schule und Kultur sowie Gesundheit. Zuvor stellvertretender Geschäftsführer Landkreistag Mecklenburg-Vorpommern. Nach dem Studium Tätigkeit bei der Landeshauptstadt Kiel.

Der Deutsche Landkreistag ist der kommunale Spitzenverband der Landkreise auf Bundesebene. Er vertritt die Interessen der Landkreise gegenüber Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat.